im Alb Bote vom 29.8.2008

Neuauflage der Waldkircher Geschichte

Limitierte Ausgabe der Chronik von Jakob Ebner aus dem Jahre 1933

 

jakob ebnerAnlässlich des 1150-jährigen Bestehens der Ortschaft und der Pfarrei Waldkirch hat die "Historische Einungsmeisterversammlung" Dogern eine limitierte Neuauflage der längst vergriffenen "Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Waldkirch" herausgegeben. Autor ist der 1960 verstorbene Oberpfarrer, Historiker und Heimatforscher Jakob Ebner aus Unteralpfen.

Waldkirch - Die über dreihundert Seiten umfassende Chronik wurde 1933 in Druck gegeben, zu einer Zeit, als Jakob Ebner Gefängnisseelsorger in Bruchsal war. In seinem Vorwort schreibt der Pfarrer: "Nachdem ich vor Jahren die Geschichte meiner Heimatpfarrei Unteralpfen beschrieben habe, beginne ich mit Waldkirch, der wohl ältesten Kirche auf dem Walde."
Waldkirch wurde, so die Recherchen des Heimatforschers, erstmals im Jahre 858, in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Rheinau erwähnt. In dieser Urkunde übergab der Wolfenus, ein Welfe aus dem Umfeld Ludwig des Frommen, seine Besitzungen in Italien und der Schweiz sowie die sogenannte "Alpzelle", zu der St. Blasien, Alpfen und Waldkirch zählten, "mit allem zu diesen Orten gehörendem Anhang und Zubehör, wie Äcker, Wiesen, Weiden und Wälder, stehende und laufende Wasser, angebautes und unangebautes Gelände, bewegliche und unbewegliche Habe", an das Kloster. Dabei ging es dem Welfen um eine Stärkung des Klosters, das ihm sehr am Herzen lag und das in den damaligen Kriegszeiten arg gelitten hatte. Diese Urkunde, in der Waldkirch unter dem Namen "Waldchiricha" genannt wird, ist mit einem gut erhaltenen Siegel im Stadtarchiv Zürich aufbewahrt.
Zur topografischen Lage der Pfarrei, die sich mit ihren Ortsteilen um den zentral gelegenen Gupfen gruppiert, schreibt Ebner: "Mehrere kleine Täler mit ihren Bächen nehmen hier ihren Anfang. Nach Süden, durchs Schmitzinger Tal, rieselt der Seltenbach, nach Südosten läuft durchs Haselbachtal der Haselbach, nach Westen schlängeln sich der Steinbach und der Lauterbach (heute Leiterbach), die sich im Wiehl, bei der Unteralpfener Mühle, vereinigen."
Zeugen einer frühzeitigen Besiedlung gibt es bereits aus der Steinzeit: Zwischen Waldkirch und Ay wurde auf einer kleinen Anhöhe ein Steinbeil von 19 cm Länge aus hellem Serpentin mit oval gebohrtem Schaftloch ausgepflügt. Aus der Kupfer- und Bronzezeit stammt die Klinge eines 62 cm langen Bronzeschwertes, das 1881 auf dem Hungerberg zwischen Waldkirch und Indlekofen gefunden wurde. In der darauffolgenden Eisenzeit bewohnten die Kelten die Gegend. Funde aus dieser Zeit wurden im Waldshuter Spitalwald gemacht. Die nachfolgenden Römer mieden zwar die Wildnis, doch gilt als gesichert, dass auch sie im Bereich der Pfarrei Waldkirch geackert und das Vieh auf die Weiden getrieben haben. Die Römer wurden von den Alemannen verdrängt, Gräber und entsprechende Grabbeigaben wurden auf dem Gebiet der Pfarrei in Schmitzingen freigelegt.
Eine weitere Urkunde stammt aus dem Jahre 860, in welcher der Priester Swab seinen Besitz im Dorf und in der Gemarkung "Waldchilchun" (Waldkirch) im "Albgau" dem Kloster Rheinau übergibt. Noch 1046, so ist durch eine dritte Urkunde belegt, hat das Kloster Rheinau in "Waldkirecha" Besitzungen.
Aus einer Urkunde von 1299 geht hervor, dass das Kloster St. Blasien ebenfalls in Waldkirch Güter besitzt. Die Besitzungen Rheinaus gingen später an das Stift Säckingen über.

Jakob Ebner

Jakob Ebner (1873-1960), Seelsorger, Historiker, Heimatforscher und Autor zahlreicher Bücher und Artikel, wurde in Unteralpfen geboren.
Nach einem Theologie- und Geschichtsstudium in Freiburg wurde er 1897 zum Priester geweiht.
Als Priester war er in Unadingen am Bodensee, Stühlingen, Pfullendorf und Bietingen bei Meßkirch tätig.
Während des Ersten Weltkrieges war Jakob Ebner als Feldgeistlicher und Divisionspfarrer im Einsatz, danach wurde er als Zuchthauspfarrer nach Bruchsal berufen.
In seiner Zeit als Pfarrer von Grenzach erfolgte seine Ernennung zum „Geistlichen Rat“.
1941, mit dem Beginn des Ruhestandes, kehrte er nach Unteralpfen zurück. In dieser Zeit kam es zu weiteren Ehrungen: 1947 wurde er zum Doktor h.c. der Universität Freiburg ernannt, im Jahre 1953 wurde er Ehrenbürger der Gemeinde Unteralpfen und 1958 erfolgte die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Manfred Dinort

Bildtext :
Jakob Ebner (1873-1960), nach einem Linolschnitt des Waldshuter Kunstmalers Ludwig Barth.