im Alb Bote vom 14.3.2008

"Eine gottesfürchtige Bauerngestalt"

Der letzte Einungsmeister der Ortschaft und Pfarrei Waldkirch Johann Michael Jehle als Vertreter der Bauernschaft

 

Wolfgang Malzacher (links) und Klaus Nowak am Grab von Johann Michael JehleIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um den letzten Redmann der Hauensteiner Einungen, den Einungsmeister Johann Michael Jehle aus Waldkirch.

Die Grafschaft Hauenstein war in acht Einungen gegliedert, die eine fortschrittliche Form der bäuerlichen Selbstverwaltung praktizierten. Die Ortsteile der Pfarrei Waldkirch gehörten verschiedenen Einungen an: Gaiß, Schmitzingen und Ay gehörten zur Einung Dogern, Oberalpfen, Bannholz und Remetschwiel zur Einung Birndorf und Brunnadern zur Einung Höchenschwanderberg.

Die Einungen wählten alljährlich ihren Einungsmeister, der zahlreiche amtliche Funktionen auszufüllen hatten. Die Einungsmeister wählten aus ihrer Mitte einen Redmann, der die Interessen der Einung nach außen vertrat.

Die Salpeterer waren, bedingt durch ihren Beruf, die treibenden Kräfte bei den Aufständen. Sie besuchten in regelmäßigen Abständen die Höfe und trugen Nachrichten weiter. Sie kratzten den Salpeter von den Stallwänden, diese Kalisalze dienten als Rohstoffe für viele Fabrikationszweige, für Gerber, Färber, Apotheker, aber auch für die Herstellung von Schießpulver. Je nach Parteizugehörigkeit unterschied man zwischen den Ruhigen, den Unruhigen und den Unparteiischen, die verächtlich als "Sparregügsler" bezeichnet wurden. Mit der Zuordnung der Grafschaft Hauenstein an das Großherzogtum Baden ging 1806 die Selbstverwaltung des Hotzenwaldes zu Ende, die Einungen verschwanden von der Landkarte und die Orte auf dem Wald wurden den neu gebildeten großherzoglich-badischen Amtsbezirken zugeteilt.

Das Bild zeigt die Einungsmeister des Hauensteiner LandesLetzter Einungsmeister und Redmann war Johann Michael Jehle aus Waldkirch (1749-1831). Sein Grabkreuz steht im Eingangsbereich der Pfarrkirche. Öffnet man das Amulett am Kreuz, so steht dort: "Hier liegt begraben Johann Michael Jehle, Waldkirch, gew. Redmann und Einungsmeister der Grafschaft Hauenstein. Er starb im 82. Jahre seines Alters, betrauert von acht Kindern, 32 Enkeln und sechs Urenkeln, den 18. April 1831." Jehle bewohnte mit seiner Familie den "Redmannhof" in Waldkirch, der 1967 abbrannte. In einer Chronik heißt es: "Für uns ist diese granitene, gerade, gottesfürchtige Bauerngestalt ein leuchtendes Beispiel." Jehle selbst berichtete beispielsweise über das Hungerjahr 1817: "Bereits der Sommer 1816 war kalt und nass. Am 1. Oktober wurde das letzte Korn geerntet, der Hafer kam überhaupt nicht zur Reife. Am 12. Oktober erfroren die Trauben. Vom 11. November bis 28. Dezember lag Schnee. Anfang 1817, als der Schnee weg war, wurde Hafer gebunden. Mitte Januar holten die Bauern die zum großen Teil erfrorenen Kartoffeln aus dem Boden.

Bildtext, oberes Bild:
Wolfgang Malzacher (links) und Klaus Nowak am Grab von Johann Michael Jehle.

Bildtext, unteres Bild:
Szene aus dem Freilichttheater zum Thema "Salpeterer" im Jahr 2006 in Buch: Das Bild zeigt die Einungsmeister des Hauensteiner Landes in ihren originalen Trachten.

Vorträge

Aus Anlass des 1150-jährigen Jubiläums der Ortschaft und der Pfarrei stehen drei historische Vorträge auf dem Programm:
27. Mai: "Die spannende Geschichte der Salpeterer", Referent Paul Eisenbeis aus Görwihl;
6. Oktober: "Johann Michael Jehle und die Einungen", Referent Heinrich Dold aus Dogern;
27. Oktober: "Architektur der Bauernhäuser", Referent Reinhard Schurian aus Waldkirch

Manfred Dinort