im Alb Bote vom 24.5.2008

Kulturhistorische Kostbarkeiten

Radwallfahrt zu fünf Filialkirchen des Kirchenspiels Waldkirch zum 1150-jährigen Bestehen

 

Bannholzer KapelleIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Bestehen. Zum Jubiläumsprogramm gehörte auch eine Radwallfahrt, die als "Tour de Waldchircha" zu den fünf Filialkapellen des Kirchspiels führte. Die Kapellen gelten als kulturhistorische Kostbarkeiten, die allesamt ihren eigenen Stil haben, liebevoll gepflegt und behütet werden.

Erste Station der Tour war die Bannholzer Kapelle, die älteste Kapelle des Kirchspiels, die sich auch als "Schwarzwaldstube Gottes" einen Namen machte. Die holzgetäfelte, niedrige Decke verleiht dem Innenraum einen heimeligen, warmen Charakter. Hier fühlt sich der Besucher wohl, hier findet er Stille und Geborgenheit. Der Blick schweift nach vorne, wo sich hinter einem Rundbogen der rechteckige Chor öffnet, der einen schönen alten Altar mit dem Bildnis der Schmerzhaften Mutter Gottes beherbergt. Flankiert wird der Altar von zwei Figuren, links der heilige Jakobus mit dem Pilgerstab und der Pilgermuschel, rechts der von Pfeilen durchbohrte heilige Sebastian, der Schutzpatron der Kapelle, darüber ein Bildnis des heiligen Johannes Nepomuk. Einen eigentümlichen Charakter hat auch der Altartisch, der auf der Frontseite mit einem Christusemblem und einem Jesuskind bemalt ist, das ein Kreuz in seinen Händen hält. Die Holzdecke des Chores ist mit einfacher Bauernmalerei ausgeschmückt. Besondere Merkmale des Hauptbaues sind das dicke, sich nach oben verjüngende Mauerwerk und die gotischen Spitzbogenfenster. Das schmale Fenster auf der Nordseite ist mit einer bunten Glasscheibe ausgestattet, die den hl. Franziskus darstellt.

Zu beiden Seiten des Chorbogens befinden sich ebenfalls Figuren, links die moderne Darstellung eines bekleideten Schmerzensmannes, die durch seine Einfachheit und den leidenden Gesichtsausdruck berührt, rechts die reich verzierte Gestalt des heiligen Josef mit Kind und Zimmermannswinkel. Bei Renovierungsarbeiten in den 60er Jahren kam am Portal die Jahreszahl 1496 zum Vorschein. In den Schriften des Unteralpfener Heimatforschers, Pfarrer Jakob Ebner, ist jedoch die Jahreszahl 1266 vermerkt. Damals überreichte Rudolf von Habsburg dem Priester Konrad aus Neuenzell eine Urkunde, die ihn berechtigte, Gelder für eine Kapelle in Bannholz einzutreiben. Anzunehmen ist, dass der romanische Chor, der auf einem Felsen steht, schon vorher als Wegkapelle bestanden hat, die von den Jakobspilgern als Anlaufstelle genutzt wurde. Der Erweiterungsbau weist gotische Stilmerkmale auf, während die Innenausstattung hauptsächlich barocken Ursprungs ist.

Altar der Bannholzer KapelleDie älteste Glocke der Kapelle trägt die Jahreszahl 1645 und die Buchstaben CT und CS, die auf die beiden Stifter hinweisen. Die etwa 200 Jahre alte Sebastiansglocke kam nach Kriegsende beschädigt nach Bannholz zurück und wurde 1951 durch eine neue Glocke ersetzt, die der Gottesmutter geweiht ist.

Manfred Dinort

Bildtext, Bild oben:
Oberhalb der Durchgangsstraße liegt die Bannholzer Kapelle, die älteste Kapelle des Kirchenspiels Waldkirch. Bilder: Dinort

Bildtext, Bild unten:
Einen eigenen Charakter hat der Altar der Bannholzer Kapelle mit dem Bildnis der Schmerzhaften Gottesmutter.

Bannholzer Kapelle

Bannholz wurde erstmals 854 urkundlich erwähnt. Der Name bedeutet „das Holz des Ballo“, woraus dann Bannholz wurde.
Zu Bannholz gehören die Ortsteile Ay und das abgelegene Aisperg. Die Bannholzer Kapelle ist dem heiligen Sebastian geweiht, das Patrozinium wird am 20. Januar gefeiert. Daneben werden aber auch der heilige Jakobus der Ältere, der heilige Nepomuk und der heilige Fabian als Schutzheilige verehrt.
Noch 1807 war, laut Chronik, der Name „Jakobuskapelle“ gebräuchlich
Die Pflege der Kapelle liegt in den Händen von Anna Mettenberger und Monica von Schaesberg