im Alb Bote vom 7.2.2008

Nationales Kulturdenkmal

Orgel in Waldkirch aufwendig restauriert

Waldkirch, Nationales KulturdenkmalIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um die Orgel der Pfarrkirche, die 2002 als "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" eingestuft wurde.

Für Irritationen in der Pfarrgemeinde sorgte vor einigen Jahren das Thema Orgel. Erst wurde die Werbetrommel für eine neue Orgel gerührt und eifrig gesammelt, dann kam der Einspruch des Landesdenkmalamtes, das die alte Orgel als "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" einstufte. Die Gemeinde war irritiert, weil die Spendengelder nun in eine andere Richtung fließen sollten.

Um die Finanzierung sicher zu stellen, wurden zahlreiche Aktionen gestartet. In besonderer Erinnerung ist das Orgelfest im Juli 2002 geblieben, das einen Reinerlös von 4000 Euro einbrachte. Einen wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hatte die Brauerei Waldhaus, die eigens aus diesem Anlass ein neues Produkt kreierte, das unter dem klangvollen Namen "Orgel-Öl" in einer dekorativen Dreiliter-Magnum-Flasche präsentiert und verkauft wurde. Zu einem kulinarischen Ereignis wurde das Schaukochen, das mit Chefköchen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens besetzt und effektvoll in Szene gesetzt wurde. Ein starkes Stück war auch die Kleideraktion. Dabei handelte es sich um einen größeren Posten an Herrenbekleidung und Stoffen, die der Pfarrei als Spende von einem Schweizer Fabrikanten zur Verfügung gestellt wurden und die nun, zu Gunsten des Orgelkontos, an den Mann gebracht wurden.

Als dann das Landesdenkmalamt intervenierte und auf die Restaurierung der alten Orgel drängte, tat sich die Gemeinde schwer, auf den neuen Kurs einzuschwenken. Besondere Probleme bereitete bis dahin die Technik der Schwarz-Orgel, die im hohen Maße reparaturanfällig war und einer ständigen Wartung bedurfte. Während des Krieges wurden außerdem die Zinnpfeifen durch Zinkpfeifen ersetzt, was entsprechende Auswirkungen auf die Klangqualität hatte.

Mit der Restauration der historischen Orgel blieb die umstrittene pneumatische Technik zwar erhalten, doch die Klangregister wurden größtenteils durch neue ersetzt. Dabei wurden auch neue Mixturen und Register eingebaut, die mit dem Charakter der Orgel nicht zu vereinbaren waren. Um die restliche Finanzlücke für die Restaurierung zu schließen, bot der Pfarrgemeinderat die Möglichkeit an, die 33 Prospektpfeifen für 1000 Euro mit einem persönlichen Namenszug gravieren zu lassen. Die Orgel wurde komplett ausgebaut, überholt und machte auch eine optische Wandlung durch. Der Corpus wurde farblich auf das barocke Gesamtbild des Gotteshauses abgestimmt und einzelne Ornamente, die auf dem Speicher wieder entdeckt worden waren, erhielten ihren angestammten Platz am Orgelprospekt. Auch der Spieltisch erhielt wieder seine ursprüngliche Ausrichtung mit direktem Blickkontakt zum Altar.

Dann war das Werk vollbracht: Am ersten Weihnachtstag 2003 wurde die restaurierte Orgel im Rahmen des Festgottesdienstes eingeweiht.


Bildtext :
Als "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" wurde die Orgel in Waldkirch eingestuft, die mit großem finanziellen Aufwand restauriert und am ersten Weihnachtstag 2003 neu eingeweiht wurde. Im Bild Organist Ulrich Tomm, der dazu eine eigene Komposition, Variationen zum Choral "Wachet auf", beisteuerte.

Orgel in Waldkirch

Die Orgel in Waldkirch stammt aus der Werksatt des renommierten Orgelbauers Wilhelm Schwarz in Überlingen. Der Orgeltyp, der durch eine pneumatische Technik gekennzeichnet ist, hatte sich zur Jahrhundertwende durchgesetzt und wurde in der Folge zum gän- gigen Typus im Orgelbau. Die Waldkircher Orgel, die 1913 gebaut wurde, gehört zu den größeren Instrumenten dieses Typs, der in seiner Grundstimmung einen romantischen Klangcharakter hat. Unglückliche Umbaumaßnahmen führten im Laufe von Jahrzehnten zu einem Ergebnis, das sowohl in klanglicher als auch in technischer Hinsicht nicht mehr akzeptabel war. Die Kosten der Restaurierung wur- den mit 160000 Euro veranschlagt. Die Arbeiten wurden von der Orgelbaufirma Vleugels aus Hartheim bei Würzburg ausgeführt.

VON MANFRED DINORT