im Alb Bote vom 27.9.2008

Roter Hahn auf Waldkirchs Dächern

Im Dreißigjährigen Krieg brennen schwedische Soldaten das Dorf vollständig nieder

 

Schockierend ist das Titelbild, das Dr. Jakob Ebner in seiner Chronik über Waldkirch und die Ortschaften der PfarreiBrennende Häuser und eine Kirche, die lichterloh in Flammen steht - mit diesem schockierenden Titelbild präsentiert Jakob Ebner seine Waldkircher Chronik, die er im Jahre 1933 verfasste. Darunter platziert das angeschlagene Wappen von Waldkirch mit der Aufschrift 17. Jahrhundert und der Jahreszahl 1633.

Diese Zahl steht im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Krieg, als die Schweden Angst und Schrecken verbreiteten. So auch in Waldkirch: Im Jahre 1633, am Sonntag, 3. Juli, so berichtet Jakob Ebner, kam eine schwedische Abteilung zu Pferd und zu Fuß vom Rheintal her in die nächstgelegenen Orte der Grafschaft Hauenstein. "Waldkirch, das nur strohbedeckte Häuser hatte, wurde vollständig niedergebrannt", berichtet Jakob Ebner. In den Kirchenbüchern der Pfarrei, die bis in das Jahr 1500 zurückreichen, ist ebenfalls vermerkt, dass kein einziges Haus übriggeblieben sei, mit Ausnahme des mit Schindeln bedeckten Beinhauses auf dem Gottesacker. Auch die Kirche, das Pfarrhaus und die Pfarr-scheuer wurden ein Raub der Flammen. Die verängstigten Bewohner flüchteten in den großen Hagwald bei Remetschwiel.

Als die Schweden abgezogen waren, kamen die Kaiserlichen und requirierten, was übriggeblieben war. Der damalige Pfarrer sei dann nach Säckingen zur Äbtissin gereist, um sie um Rat zu fragen. Aber diese habe erklärt, sie könne ihm nicht helfen, da sie selbst in größter Not sei. In aller Hast bauten danach die Waldkircher wieder ihre Häuser auf, so dass sie im Sommer 1634 die Frucht wieder in die eigenen Scheunen einbringen konnten.

Das Jahr 1633 war auch für Waldshut ein Schicksalsjahr: Die Stadt geriet drei Mal in die Gewalt der Schweden und dreimal wurden sie wieder von den Kaiserlichen vertrieben. Die Stadt wurde geplündert, die meisten flohen, 152 Bürger kamen ums Leben. Auch in Waldkirch, so ist in den Sterbebüchern vermerkt, kamen mehrere Personen dabei zu Tode. Der Gurtweiler Chronist Lukas Meier schreibt: "In unserer ganzen Gegend wütete der Krieg vom Jahre 1633 bis 1645. Auf dem Lande zählte man nur noch wenige Häuser, alle Dörfer standen verlassen. Acht ganze Jahre brach kein Pflug die Scholle um, denn dazu hatte man weder Werkzeug noch Zugvieh. Die Horden durchstreiften sogar den Schwarzwald bis zu den Feldberghöhen, um das in den Wäldern verborgene Vieh zu fangen und zu schlachten."

Zur gleichen Zeit wütete die Pest, die in Waldkirch und den Ortschaften der Pfarrei zahlreiche Opfer forderte. Ein anderer Autor, Rudolf Metz, schreibt in seiner umfangreichen "Geologischen Landeskunde des Hotzenwaldes" zu Waldkirch: Durch Landfahrer entstand 1808 ein Ortsbrand, dem zwölf Häuser zum Opfer fielen." Dabei beruft sich der Verfasser auf die Schriften Jakob Ebners. Merkwürdigerweise bringt der Unteralpfener Pfarrer in seiner Chronik dieses Ereignis überhaupt nicht zur Sprache. Stattdessen vermerkt er, dass die Gemeinde Waldkirch am 30. Januar 1809 der durch ein Brandunglück heimgesuchten Ortschaft Brenden reichliche Almosen an Korn übersandte. Es folgt die Nennung der Spender und danach heißt es: "Durch herumfahrendes Gesindel war dieser große Brand am 9. November ausgelöst worden. Zwölf Häuser sind damals abgebrannt."

Was stimmt? Von einem Großbrand Anfang des 19. Jahrhunderts in Waldkirch ist in der Chronik Jakob Ebners jedenfalls nicht die Rede.

Jakob Ebner

Wie genau hat der Unteralpfener Pfarrer und Heimatforscher Jakob Ebner recherchiert? Seine Berichte sind oft lückenhaft und lassen viele Fragen offen. Manche Lücken überbrückt er selbst durch Vermutungen. Manchmal steht er auch im Widerspruch zu anderen Autoren. Ungeklärt ist beispielsweise auch die Frage, ob es um 1810 nochmals einen großen Brand in Waldkirch gab. Baufachleute gehen jedenfalls davon aus, dass die jetzt vorhandenen Bauernhäuser alle vor rund 200 Jahren neu aufgebaut wurden.

Manfred Dinort

Bildtext:
Schockierend ist das Titelbild, das Dr. Jakob Ebner in seiner Chronik über Waldkirch und die Ortschaften der Pfarrei präsentiert: ein lichterloh brennendes Dorf, darunter ein bröckelndes Wappen mit der Jahreszahl 1633.