im Alb Bote vom 10.1.2008

60 Jahre im Dienst der Kirche

Außergewöhnliches Engagement von Agnes Siebold in der Pfarrei Waldkirch

 

Agnes Siebold, eine der markantestesten Persönlichkeiten der Pfarrei WaldkirchIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um Agnes Siebold (82), die über sechs Jahrzehnte den musikalischen Rahmen in der Pfarrgemeinde vorgab.
Zu den markantesten Persönlichkeiten der Pfarrgemeinde Waldkirch zählt Agnes Siebold, die über Jahrzehnte das Leben in der Pfarrgemeinde mitgestaltete. Die 82-Jährige war 65 Jahre Mitglied des Kirchenchores, 23 Jahre Chorleiterin und über 60 Jahre als Organistin der Pfarrgemeinde tätig. Im April 2004 wurde sie dafür besonders geehrt. Der damalige Bezirkskantor Günter Agricola würdigte ihr außergewöhnliches Engagement.
Pater Hermann-Josef Zoche, der achte Pfarrer in ihrer langen Dienstzeit, überreichte ihr seinerzeit die Ehrenurkunde des erzbischöflichen Ordinariats, in der die Bereitschaft, "Zeit zu opfern, Mühe auf sich zu nehmen und sich immer aufs Neue in die Liturgie einzufühlen", anerkannt wurde. Mit besonderen Mühen, so schildert Agnes Siebold ihren Werdegang, sei für sie die Ausbildungszeit verbunden gewesen, die sie während der Kriegszeit absolvierte. Im Sommer ging es mit dem Fahrrad zum Unterricht, im Winter diente oft der Schlitten als Verkehrsmittel. Später war sie Sonntag für Sonntag und bei jedem Wetter zu Fuß von ihrem Wohnort Oberalpfen zum Orgelspiel nach Waldkirch unterwegs. Dann kam das eigene Mofa, das viele Jahre treue Dienste leistete und die Arbeit wesentlich erleichterte. Schließlich konnte sie 1980 im Waldkircher Pfarrheim, direkt neben der Kirche, eine Dienstwohnung beziehen.
Agnes Siebold wurde am 4. Januar 1925 in Oberalpfen geboren, wo sie mit drei Brüdern auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern groß wurde. Ihr erstes Instrument war die Blockflöte. Der damalige Waldkircher Pfarrer Wilhelm Gromann schlug ihr eine Ausbildung als Organistin vor. Mit 17 Jahren erhielt sie ihre ersten Unterrichtsstunden, erst beim eigenen Pfarrer, dann beim Birndorfer Pfarrer Johann Traber und schließlich beim erzbischöflichen Musikdirektor Kurt Binninger in Waldshut.
Ihren Lebensunterhalt verdiente Agnes Siebold als Haushälterin und Kinderpflegerin. Davon war sie auch zwölf Jahre im ehemaligen Unteralpfener Kinderheim Stieg beschäftigt. Die musikalische Tätigkeit in ihrer Pfarrei lag ihr jedoch immer besonders am Herzen. Sie habe ihr stets das Bewusstsein gegeben, "zum Lob und zur Ehre Gottes" einen bescheidenen Beitrag geleistet zu haben.

Manfred Dinort

Bildtext:
Agnes Siebold, eine der markantestesten Persönlichkeiten der Pfarrei Waldkirch, begleitete über 60 Jahre alle Messen und sonstigen Anlässe an der Orgel.