im Alb Bote vom 5.11.2008

Bauernhäuser mit Geschichte

Reinhard Schurian referiert über Architektur in Waldkirch

 

Der ehemalige Tröndlehof WaldkirchDie bisherige Annahme, die Waldkircher Bauernhäuser seien alle nach einem von den Franzosen 1796 gelegten Großbrand entstanden, muss revidiert werden. Reinhard Schurian, aus Waldkirch stammender Maschinenbauer mit Faible für alte Häuser, fand Gegenteiliges heraus. Er referierte im Rahmen des Waldkircher Jubiläumsjahres über die Architektur des Schwarzwälder Bauernhauses.

Waldkirch – Der Referent selbst lebt seit 2002 in Waldkirch im ehemaligen Tröndlehof. Aufgrund seiner Recherchen, so berichtete Schurian, seien die vier noch vorhandenen Bauernhäuser in einem Zeitrahmen, der sich von 1680 bis 1810 spannt, entstanden. Im Zuge der Sanierungsarbeiten am eigenen Haus befasste sich der gelernte Maschinenbauer auch mit den konstruktiven Eigenheiten dieser Häuser, so dass er nach und nach zum „Fachmann“ wurde und die handwerklichen Leistungen von damals zu schätzen lernte. „Das Tolle an den Schwarzwaldhäusern ist, dass man auf den ersten Blick von außen auf das innere Gefüge schließen kann“, so Schurian. „Die alten Konstruktionen erzählen von Notwendigkeiten, die weit zurück liegen, die aber heute nicht mehr relevant sind“. Die Konstruktionsweise sei eng an die Lebensgewohnheiten und die Bedürfnisse der Menschen gekoppelt gewesen. „Wer mit offenen Augen die alten Häuser betrachtet, kann die Spuren entdecken, die unsere Vorfahren hinterlassen haben.“

Anhand von Lichtbildern zeigte Schurian auf, welche Anforderungen das raue Klima und die harte landwirtschaftliche Arbeit an die Menschen stellten. Die Höfe wurden selbständig geführt und waren in der Lage, die eigene Versorgung sicher zu stellen. Die Bewohner bildeten eine enge Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, denn nur gemeinsam war ein Überleben gewährleistet. Der Waldkircher Tröndlehof vor etwa 80 Jahren.Die Häuser zeichneten sich durch ein enormes Speichervolumen, große Dachüberstände (zur Lagerung des Holzes) und kleine Wohnbereiche aus, die um den Kachelofen organisiert wurden. Aus damaliger Sicht habe Waldkirch eine optimale Lage geboten: windgeschützte Hänge, einen trockenen und festen Untergrund und genügend Wasser für Mensch und Tier. Sein eigenes Haus, so Schurian, verfüge nur über etwa 60 Zentimeter tiefe Fundamente, sei aber total trocken und frei von Frostbewegungen.

Anhand der Konstruktionsmerkmale unternahm Schurian den Versuch, das Alter der noch bestehenden vier Waldkircher Bauernhäuser zu bestimmen, die als markante Bauwerke das Ortsbild prägen. Demnach ist das Haus Gerber (am unteren Ortsrand) das älteste Haus, gefolgt von dem Haus Dörflinger (am oberen Ortsausgang) und dem Haus Denz (gegenüber dem Gasthaus Storchen). Sein eigenes Haus (unterhalb des Pfarrhauses) sei genau 200 Jahre alt, „denn am Kellereingang ist die Jahreszahl 1808 eingraviert.“ An den Häusern wurden jedoch immer wieder An- und Umbauten vorgenommen, so dass die Stilmerkmale nicht einheitlich seien. Zum Schluss plädierte Schurian für den Erhalt der alten Gebäude: Die Ansprüche an die Wohnqualität habe sich zwar verändert, aber „mit den heute zur Verfügung stehenden Mitteln ist es machbar, modern in alten Häusern zu wohnen, ohne die alte Bausubstanz und das äußere Erscheinungsbild zu zerstören“.

Reinhard SchurianReinhard Schurian

Reinhard Schurian lebt mit seiner Frau und drei Kindern seit 2002 in Waldkirch. Er selbst stammt aus Nordhessen, seine Frau Viola aus Karlsruhe. Der gelernte Maschinenbauer hatte schon immer ein Faible für alte Häuser. Da er in der Schweiz arbeitet, lag es für ihn nahe, sich im grenznahen Bereich seinen Traum vom Wohnen in einem alten Bauernhaus zu erfüllen. Mit dem Tröndlehof in Waldkirch fand er das geeignete Objekt, sich und seiner Familie ein gemütliches Zuhause zu schaffen.

Manfred Dinort

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Der ehemalige Tröndlehof Waldkirch: Ein freundliches Ambiente und viel Platz für die ganze Familie. Bilder: Dinort

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Der Waldkircher Tröndlehof vor etwa 80 Jahren. Bild: Privat

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Reinhard Schurian