im Alb Bote vom 27.3.2008

Markante Bauernhäuser prägen Ort

Baumeister leisteten nach Dorfbrand 1808 in Waldkirch gute Arbeit

 

Haus Gerber am unteren Ortsrand des Stadtteils WaldkirchIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Bestehen. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um das Ortsbild von Waldkirch, das durch einige markante Bauernhäuser geprägt ist.

Bei einem Vergleich mit den benachbarten Ortsteilen fällt auf, dass Waldkirch, am Osthang des Haspelrückens gelegen, eine ausgesprochen schattige Lage hat. Und während sich die anderen Ortsteile weiterentwickelt haben, hat sich in Waldkirch kaum etwas verändert. Reinhard Schurian aus Waldkirch, der sich ebenfalls mit dieser Thematik befasste, kommt zu dem Schluss: "Waldkirch liegt auf der windgeschützten und wasserführenden Hangseite des Haspelrückens, nicht am gegenüberliegenden Hungerberg, der zwar sonnig, aber immer auch windausgesetzt ist, und der wegen des extrem karstigen Untergrundes kein Wasser führt."

Also waren früher andere Kriterien für die Anlage einer Siedlung maßgebend. Wichtige Voraussetzung war das Vorhandensein von Wasser, das für Mensch und Tier eine erstrangige Bedeutung hatte. Heute ist das anders: Waldkirch bezieht sein Wasser zum größten Teil über die Höchenschwander Wasserversorgung, die eigenen Quellen werden kaum noch genutzt. Beide Seiten des Seltenbachtales, Haspel und Hungerberg, sind verkarstete Kalksteinrücken. Daher bestehen die Fundamente und Mauern der alten Bauernhäuser aus Kalkstein.

Alle Häuser wurden nach dem letzten großen Dorfbrand, dem 1808 zwölf Gebäude zum Opfer fielen, offensichtlich vom gleichen Baumeister entworfen, denn alle weisen die gleichen Konstruktionsmerkmale auf, die sich im Wesentlichen mit dem modernen Typ des Schwarzwaldhauses decken: Alles war unter einem Dach vereint, auf der Talseite der Wohnbereich, auf der Bergseite die Stallungen und seitlich die Hofeinfahrt. Dabei wurde die Talseite besonders repräsentativ ausgebildet, mit Balkonen und weit vorkragendem Walmdach. Darüber lag der geräumige Hochspeicher, ganz aus Holz. "Die alten Dachstühle, so massiv sie auch wirken, wiegen nur einen Bruchteil der heutigen Beton- und Stahlkonstruktionen", so Reinhard Schurian. "Die spezielle Deckenbauweise über dem Wohnzimmer würde heute niemals genehmigt werden, hat aber über Jahrhunderte ganze Horden von Bauernfamilien getragen."

Raritätensammlung im Haus Gerber in Waldkirch.Das Herz der Anlage: die große Wohn- und Wirtschaftsküche und das gemütliche Wohnzimmer mit der obligatorischen Kunst. Darüber liegen die kleinen Zimmer, die in der Regel mit mehreren Bewohnern belegt waren, für Kinder, Knechte und Mägde. Darunter lag der große Gewölbekeller für die Vorratshaltung. Der Alltag der Bewohner war geprägt durch karge Lebensbedingungen, harte Arbeit in Wald und Feld. Zur Gesamtanlage gehörten ein großer Garten, Streuobstwiesen und ein Brunnen mit eigenem Wasserrecht. In Waldkirch ist nur noch das Haus Denz geblieben, das in eher konventionellem Rahmen Landwirtschaft betreibt. Der Rest entfällt auf zwei Großbetriebe, die in neuen Gebäuden untergebracht sind.

.

Manfred Dinort

Bildtext, Bild oben:
Ansicht von Süden: das Haus Gerber am unteren Ortsrand des Stadtteils Waldkirch. Es wurde liebevoll und stilgerecht restauriert. Bilder: dinort

Bildtext, Bild unten:
Raritätensammlung im Haus Gerber in Waldkirch.

Bauernhäuser

Waldkirch WappenIn Waldkirch gibt es noch vier alte Bauernhäuser, die alle zur gleichen Zeit entstanden sind, im gleichen Stil erbaut sind und offenbar auch vom gleichen Baumeister geschaffen wurden: Das sind die Häuser Denz und Dörflinger entlang der Ortsdurchfahrt und die Häuser Gerber und Schurian am unteren Ortsrand, zwei alte Häuser, die liebevoll und stilgerecht restauriert wurden. Der ehemalige Redmannshof brannte 1967 ab und das "Rote Haus" steht seit Jahren leer. Reinhard Schurian aus Waldkirch, von Beruf Maschinenbauer, hat sich speziell mit der Thematik der alten Bauernhäuser befasst und hält dazu am 27. Oktober einen Vortrag im Waldkircher Pfarrheim.