im Alb Bote vom 6.9.2008

Neuauflage eines Klassikers

Chronik des Heimatforschers Jakob Ebner berichtet über Pfarreigeschichte

 

Heinrich Dold (links) und Paul Eisenbeis"Schon der Ortsname Waldkirch besagt, dass zu der Kirche auf dem Wald die ältesten Pfarrpfründe der Gegend gehört", stellt der Heimat- forscher Jakob Ebner in seiner Chronik "Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Waldkirch" fest. In Waldkirch präsentierten Heinrich Dold und Paul Eisenbeis eine Neuauflage des historischen Klassikers.

Waldkirch - Nach der Urkunde aus dem Jahre 858 war das Kloster schon zu dieser Zeit in Waldkirch begütert, "aber schon viel weiter zurück reichte dieser Besitz". Damit bestätigt Jakob Ebner die Vermutung, dass die Pfarrei schon wesentlich älter ist und dass das Kloster Rheinau zur Bewirtschaftung seiner Güter hier eine eigene Kirche baute und einem Geistlichen zum Lebensunterhalt die nötigen Wiesen und Felder als "Pfarrpfründe" zuwies. Nach und nach wurde auch die benachbarte Bevölkerung in die Seelsorge der Pfarrei einbezogen. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts gingen die Besitzungen an das Kloster Säckingen über, das lange Zeit das Patronat über die Pfarrei ausübte. Als das Kloster durch die Reformations- und Bauernkriege selbst große Schäden zu verkraften hatte, versuchte es, um aus seiner Not herauszukommen, sich die Patronatspfarreien einzuverleiben (inkorporieren), um sich jährliche Einnahmen durch die Pfarrpfründe zu sichern. Statt des Pfarrers wurde dann für ein wesentlich geringeres Gehalt ein Pfarrvikar eingestellt. Über die Versuche des Klosters, die Pfarrei Waldkirch zu inkorporieren, sind viele Akten und Urkunden im Landesarchiv Karlsruhe erhalten. Da durch die Inkorporation die Pfarrgemeinden und die Geistlichen benachteiligt waren, kam es immer wieder zu Zerwürfnissen und Beschwerden, so auch zwischen der Pfarrgemeinde Waldkirch und dem Kloster Säckingen.

Diese Zwistigkeiten waren auch der geistlichen Obrigkeit ein Dorn im Auge und so wandte sich das Konzil von Trient (1545-63) gegen diese Praxis und untersagte Neuinkorporationen. Trotzdem versuchte das Damenstift immer wieder, aus einer zeitlich befristeten Inkorporation eine immerwährende zu machen. Da das Kloster nicht locker ließ, richteten die Waldkircher Bürger einen Beschwerdebrief an den Konstanzer Bischof. Ihr Argument: "Wenn der Pfarrer nur als Pfarrvikar da ist und nicht das volle Gehalt bezieht, trachtet er schnell wieder danach, an eine anderer Stelle zu kommen". Waldkirch habe immer einen großen Zulauf an armen Leuten, und deswegen sei es eine große Notwendigkeit, dass der Geistliche ein richtiges Einkommen habe, damit er den Armen Gastfreundschaft gewähren und Almosen reichen könne.

Jakob Ebner, der sich als "Volkspfarrer" großer Beliebtheit erfreute.Doch das Kloster gab nicht auf: 1753 genehmigte der Konstanzer Bischof eine erneute Inkorporation für eine Dauer von 30 Jahren. Dabei wurden jedoch folgende Bedingungen gestellt: Das Stift Säckingen muss den Chor der Kirche in Waldkirch erneuern und den alten Pfarrhof samt Scheuer von Grund auf dauerhaft herstellen lassen. Außerdem wurden die Zuwendungen für den Pfarrer genau festgelegt. Als dann das Stift schon wenige Jahre später versuchte, die Fristen weiter auszudehnen, regte sich in Waldkirch erneuter Widerstand und es begannen langwierige Prozesse, die vom Kloster allesamt verloren wurden. Die Neuinkorporation wurde vom Gericht für null und nichtig erklärt und das Kloster musste den Inkorporationsgewinn für drei Jahre zurückbezahlen. Danach kam die Zeit der Aufklärung, die für viele Klöster das Aus bedeutete. Auch das Damenstift Säckingen musste 1806, im Zuge der Säkularisation, seine Pforten schließen.

Konflikte

Von den Klöstern gingen während des Mittelalters oft entscheidende Impulse für die regionale Entwicklung aus. Versuchten sie jedoch, ihren Einfluss und ihre Machtstellung über die Maßen aus-zudehnen, kam es zu Konflikten mit der Bevölkerung. Typisches Beispiel dafür waren die Salpetereraufstände in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Auch die Pfarrgemeinde Waldkirch lag immer wieder mit dem Damenstift Sä-ckingen im Clinch, um die eigenen Interessen zu wahren und den Einfluss des Klosters einzudämmen.

Manfred Dinort

Bildtext oben:
In Waldkirch präsentierten Heinrich Dold (links) und Paul Eisenbeis eine Neuauflage des historischen Klassikers "Die Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Waldkirch" aus der Feder des Unteralpfener Heimatforschers Jakob Ebner. Der Druck wurde von der "Historischen Einungsmeisterversammlung" Dogern, dem beide als Mitglieder angehören, in Auftrag gegeben. Im Bild rechts

Bildtext unten:
Jakob Ebner, der sich als "Volkspfarrer" großer Beliebtheit erfreute. Bilder: tao