im Alb Bote vom 22.3.2008

Schutzheilige mit Zange und Zahn

Kapelle im Gewann Wildseematt ist der heiligen Apollonia gewidmet

 

das Zahnkäppele im Oberalpfener Gewann WildseemattIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Bestehen. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um die beiden Feldkapellen auf der Gemarkung Oberalpfen.

Als einzige Gemeinde des Kirchspiels besitzt Oberalpfen drei Kapellen. Einmal die Dorfkapelle, die dem hl. Johannes dem Täufer geweiht ist, dann das "Zahnkäppele" im Gewann "Wildseematt" und die kleine Feldkapelle an der B500 im Gewann "Büchle", die im Privatbesitz ist.

Die beiden Feldkapellen wurden erstmals 1828, im Zusammenhang mit dem großen Dorfbrand, urkundlich erwähnt. Vermutet wird, dass die Entstehung der beiden Feldkapellen mit den Salpetererunruhen zusammenhängen könnte, die 1755 durch drakonische Maßnahmen der österreichischen Regierung ein abruptes Ende fanden. Damals herrschte in der Bevölkerung eine unvorstellbare Not, Sanktionen der Regierung verschärften die angespannte Lage.

Der Schlusspunkt dieser Entwicklung wurde mit der Verbannung der Rädelsführer und ihrer Familien gesetzt. Betroffen waren auch drei Ober-alpfener Familien mit insgesamt zwölf Personen. Wenn die Menschen keinen Ausweg mehr sahen, flehten sie den Beistand Gottes an und legten dafür ein Gelübde ab. Auf ein solches Gelübde wird zumindest die Entstehung der Oberalpfener Kapelle an der B 500 zurückgeführt, ähnlich wie es beim "Feisten Herrgöttle" auf der benachbarten Gemarkung Gaiß der Fall war. Die Besitzerin selbst sieht es etwas profaner und geht davon aus, dass hier einmal ein Unterstand angelegt war, der später zur Kapelle umfunktioniert wurde.

Noch bis zum Ende der 70er Jahre wurden regelmäßig Flur- und Fronleichnamsprozessionen von der Pfarrkirche Waldkirch bis zur Kapelle durchgeführt. Der Bau der B500 und der zunehmende Straßenverkehr machten dieser Tradition jedoch ein Ende und die Kapellen begannen zu verwahrlosen. Auf Initiative des Amtes für Waldflurbereinigung, das auch über Mittel zur Landschafts- und Kulturpflege verfügte, wurden Anfang der 80er Jahre Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Die Kapelle im "Büchle" erhielt damals einen neuen Eingangsbereich aus Natursteinplatten, der talseits mit einem Geländer abgesichert war. Die Inneneinrichtung ist denkbar einfach, sie besteht aus einem massiven Altar mit einer Kniebank davor, Kreuz, Heiligenbild und Kerzenständer. Gerne genutzt werden die beiden Ruhebänke neben der Kapelle, die einen weiten Blick ins Leiter- und Steinbachtal und auf die gegenüberliegenden Höhen des Hotzenwaldes gewähren.

Die heilige ApolloniaDas "Zahnkäppele" im Gewann "Wildseematt" liegt in einer idyllischen Senke nordwestlich von Oberalpfen. Sie ist der heiligen Apollonia geweiht, der Schutzpatronin der Zahnärzte, die vor allem bei Zahnschmerzen und Mundkrankheiten als Fürsprecherin angerufen wurde.

Die Kapelle fällt durch ihre ungewöhnliche Form auf, die an einen Pilz erinnert. Sie ist im vorderen Bereich mit zwei Längsbänken ausgestattet, der Rest des Raumes ist durch ein schmiedeeisernes Gitter mit der stilisierten Figur der heiligen Apollonia abgetrennt. Die Schutzheilige hält in ihren Händen Zange und Zahn. Die Rückwand ist mit einem Gemälde geschmückt, die die Heilige inmitten der Filialkapellen der Pfarrgemeinde darstellt. In einer zweiten Renovation, 1995, erhielt die Kapelle einen neuen, weit überkragenden Dachstuhl mit einem Dachreiter. Das angrenzende Gelände wurde eingeebnet und als Rastplatz hergerichtet.

Bildtext, oberes Bild:
Ein Ziel für Wanderer und Spaziergänger: das "Zahnkäppele" im Oberalpfener Gewann "Wildseematt", das der heiligen Apollonia geweiht ist.

Feldkapellen

Über die Entstehung der Oberalpfener Feldkapellen gibt es nur Vermutungen. Die einen sprechen von Gelübden, die im Zusammenhang mit den Notzeiten während der Salpetererunruhen gemacht wurden. Die anderen halten es für möglich, dass diese Stellen einmal als Zufluchtsorte genutzt wurden, die Platz zum Rasten oder Schutz bei Unwettern boten oder einfach als Remise genutzt werden konnten.

Von Manfred Dinort