im Alb Bote vom 24.4.2008

"Ich war sehr beeindruckt von der Atmosphäre"

Interview mit Komponist Jacob de Haan zu Waldkircher Kirchenkonzert und aktuellen Trends in der Blasmusik

 

"Unglaublich, was die Waldkircher da auf die Beine gestellt haben", sagte eine Besucherin nach dem erfolgreichen Kirchenkonzert mit der Uraufführung der sinfonischen Dichtung "Waldkircha in Musica" am letzten Sonntag. Wir unterhielten uns mit dem Komponisten, dem Niederländer Jacob de Haan.

Herr de Haan, Sie haben eine lange Reise hinter sich, sind Sie zum ersten Mal in dieser Gegend?

Nein, ich bin öfters in Deutschland, zuletzt war ich auch in Titisee, wo ich das "Schwarzwald-Sinfonieorchester" dirigiert habe. Ich mag die Landschaft, die vielen kleinen Orte, in denen die Blasmusik gepflegt wird und die Tradition lebendig geblieben ist.

Wussten Sie vorher, dass Sie es hier mit einem kleinen Verein und einem noch kleineren Dorf zu tun haben?

Nein, das wusste ich so genau nicht, daher bin ich zuerst auch in Waldkirch bei Freiburg gelandet. Als ich dann hier ankam, war ich sehr beeindruckt von der Lage des Dorfes, von der Atmosphäre und der Ruhe, so dass mir sogleich auch die Historie in den Sinn kam. Damit fand ich all das bestätigt, was ich in meine Komposition eingebracht und umgesetzt hatte.

Was ist aus Ihrer Sicht das Besondere an dieser Komposition?

Das Stück zeichnet sich durch den Wechsel von dramatischen und ruhigen Passagen aus, aber auch durch zusätzliche Stilelemente wie die gregorianischen Gesänge zu Beginn, die das Eintreffen der Mönche symbolisieren, oder das Geläute der Waldkircher Glocken, darunter auch eine Feuerglocke, und zum Schluss das festliche Geläute mit allen Glocken. Dazu haben wir Originalaufnahmen gemacht, die in das Stück eingearbeitet wurden.

Ist es die Regel, dass Sie bei Uraufführungen persönlich dabei sind?

Ja, das ist die Regel und das ist auch sinnvoll so.

Wie lief die Generalprobe?

Ausgezeichnet! Ich hatte einen guten Eindruck vom Orchester, die Musiker waren bestens vorbereitet, ihnen war der historische Hintergrund bewusst und sie reagierten sogleich, wenn ich die Akzente anders setzen wollte.

Welchen Stellenwert hat für Sie das deutsche Publikum?

Deutschland ist für mich das wichtigste Partnerland. Hier werden die meisten meiner Werke gespielt, aus Deutschland kommen die meisten Aufträge, das deutsche Publikum macht begeistert mit, das ist leider nicht überall so.

Im letzten Jahr hatten Sie einen ganz besonderen Erfolg...

Ja, ich habe mit der "Missa Katherina" einen internationalen Komponistenwettbewerb gewonnen. Das Stück wurde dann im Herbst letzten Jahres in der Basilika Ottobeuren uraufgeführt.

Hat sich in der Blasmusikszene in den letzten Jahren etwas verändert? Gibt es neue Trends?

Ja, man muss sich ja auch etwas einfallen lassen, um das Publikum bei der Stange zu halten. Dafür liefert die Waldkircher Komposition typische Beispiele.

Haben Sie für dieses Jahr besondere Pläne?

Ja, in meiner Heimat, in Groningen, soll noch in diesem Jahr ein ganz neues Projekt, eine Musiktheaterproduktion, realisiert werden. Das ist auch für mich eine neue Herausforderung, mit Sängern und Schauspielern zusammenzuarbeiten.

Sie haben einen Bruder, Jan de Haan, der ebenfalls als Komponist tätig ist. Sind Sie Konkurrenten?

Nein, überhaupt nicht. Wir arbeiten eng zusammen und er ist auch viele Jahre für mich als Geschäftsführer und Verleger tätig gewesen.

Sie haben Ihren Sohn mitgebracht...

Ja, Arthur ist 16 Jahre alt und ich habe ihm versprochen, auf dem Heimweg im Europapark einzukehren. Ob aus ihm auch einmal ein Musiker wird, ist im Moment noch nicht abzusehen.

Fragen: Manfred Dinort

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Jacob de Haan

jacob-de-haanJacob de Haan, der heute in der Nähe von Groningen lebt, wurde 1959 in der niederländischen Provinz Friesland, in Heerenveen, geboren. Er erhielt eine musikalische Ausbildung am Klavier, Kornett und Flügelhorn. Bereits mit 14 Jahren komponierte er drei Quartette für Blechbläser und ein Divertimento für Flöte und Klavier. Er absolvierte die Musikhochschule in Leeuwarden und studierte als Hauptfach Orgel. Danach lehrte er an verschiedenen Musikschulen. Insgesamt schuf er über 60 Werke für Blasorchester. Inzwischen arbeitet er hauptberuflich als Komponist und Arrangeur. Er führte auch viele Kompositionsaufträge für Radio und Fernsehen aus und zählt auf dem Gebiet der Blasmusik weltweit zu den meist gespielten Komponisten.