im Alb Bote vom 21.8.2008

Blick ins Wohnzimmer Gottes

Führung durch die Kapelle Gaiß

 

Kapelle GaißIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. Zum Jubiläumsprogramm gehörte auch eine Radwallfahrt, die als "Tour de Waldchircha" zu den fünf Filialkapellen des Kirchspiels führte. Pater Hermann-Josef Zoche führte durch die vierte Station der Wallfahrt, durch die Kapelle Gaiß.

Die Kapellen gelten als kulturhistorische Kostbarkeiten, die allesamt ihren eigenen Stil haben, liebevoll gepflegt und behütet werden.

Die Kapelle in Gaiß ist dem heiligen Michael geweiht. Allein schon die Lage dieser Kapelle hat etwas Besonderes: Von hier hat der Besucher einen weiten Blick ins Liederbachtal, bis ins Rheintal und die benachbarte Schweiz.

Es ist die einzige Kapelle des Kirchspiels, über die so gut wie keine historischen Daten bekannt sind. In einer kleinen Notiz aus dem Jahre 1980 vermerkt das Konradsblatt: "Mit der Trockenlegung der Außenwände begannen 1977 die Renovierungsarbeiten. Dafür opferten die Einwohner von Gaiß über 200 freiwillige Arbeitsstunden." Auch Vereine engagierten sich und halfen, die entstandenen Kosten zu verringern. Eine Fußbodenheizung und ein Windfang wurden neu eingebaut. An der Decke wurden alte Malereien freigelegt.

Wie ein "Wohnzimmer Gottes", so der erste Eindruck beim Betreten des stillen, sonnendurchfluteten Innenraumes, der eine heimelige Atmosphäre ausstrahlt. Der Blick richtet sich auf den farbenprächtigen Rokoko-Altar mit seiner zentralen Figur "Christus auf der Rast", die den erschöpften Gottessohn kurz vor der Kreuzigung darstellt. Darüber ein Auszugsbild der Mutter Gottes. An den Seiten befinden sich zwei schöne Figuren, links der heilige Bernhard und rechts der heilige Burkhard, die sich im Stil deutlich von der einfacher gestalteten Hauptfigur unterscheiden.

Eingerahmt wird der Altar durch eine so genannte "Vorhangmalerei", die eine besondere Illusion vermitteln soll. Dazu halten zwei Engel einen schützenden Vorhang über den Altar und die dargestellten Personen. Von den ehemaligen Wandmalereien sind nur noch einzelne Fragmente erhalten, wobei der Zusammenhang zwischen den einzelnen Darstellungen nicht mehr nachvollziehbar ist.

Von den üblichen zwölf Weihekreuzen sind nur noch zwei erhalten, die durch ihre eigentümliche Zeichnung vom gewohnten Rahmen abweichen. Ins Auge fallen auch die schönen Glasfester mit Jugendstilornamenten und historisierenden Darstellungen. Zwischen den beiden Fenstern der Nordseite befindet sich die Figur des heiligen Sebastian, ebenfalls eine künstlerisch hochwertige Arbeit. Zwischen den Fenstern der Südseite hängt ein Kreuz, eingerahmt durch eine einfache Vorhangmalerei.

Maria Amann (links) und Ursel RüdDie Rückseite der Kapelle ist mit weiteren Figuren geschmückt, darunter der heilige Michael, der Schutzpatron der Kapelle. Ein Fragment ist sicherlich auch das Deckengemälde, das, im Stil des Spaniers Murillo, die himmelwärts aufsteigende Gottesmutter darstellt.

Die strenge Ausrichtung der Kapelle nach Osten und die sich nach oben verjüngenden Wände deuten auf ein hohes Alter hin.

Gaiß

Gaiß zählt mit 170 Einwohnern zu den kleinsten Ortsteilen des Kirchspiels Waldkirch. Der Ort wird erstmals 1266 in einer Urkunde erwähnt. Der Name mag sich von dem mittelhochdeutschen Wort "geiz" (Ziege) ableiten. In einer Urkunde aus dem Jahre 1566 heißt es, Gaiß sei ein Flecken mit vier oder fünf Häusern. Die Ortschaft kam erst 1787 zur Pfarrei Waldkirch, vorher gehörte sie zur Pfarrei Dogern. Die Kapelle ist dem Erzengel Michael geweiht, das Patrozinium wird am 29. September gefeiert. Die Kapelle wird von Maria Amann und Ursel Rüd betreut.

Manfred Dinort

Bildtext oben:
Hoch über dem Liederbachtal liegt die Kapelle Gaiß, eine von fünf Filialkapellen des Kirchspiels Waldkirch. Eine Radwallfahrt im Rahmen des Jubiläumsprogramms zu 1150 Jahren Waldkirch führt auch zu dieser Kirche.

Bild: Dinort

Bildtext unten:

Maria Amann (links) und Ursel Rüd sind für die Betreuung der Kapelle Gaiß zuständig.