im Alb Bote vom 2.9.2008

Acht Ecken ragen in den Himmel

Schmitzinger Josefskapelle besitzt höchsten Turm der Pfarrgemeinde

 

Die Kapelle in SchmitzingenIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. Zum Programm gehörte auch eine Radwallfahrt, die als Tour de Waldchircha zu den fünf Filialkapellen des Kirchspiels führte. Dabei bot Pater Hermann-Josef Zoche jeweils eine Kirchenführung an. Die Kapellen gelten als kulturhistorische Kostbarkeiten, die allesamt ihren eigenen Stil haben, liebevoll gepflegt und behütet werden.

Fünfte Station der Tour war die größte und zugleich jüngste Kapelle des Kirchspiels, die Schmitzinger Kapelle, die dem heiligen Josef geweiht ist. Wer nun aber glaubt, die Schmitzinger Kapelle, die erst 1953 fertig gestellt wurde, hätte weniger Atmosphäre zu bieten, der irrt. Über einen schön gestalteten Vorplatz mit Brunnen erreicht man das massive Eichenportal mit dem darüber angebrachten Bildnis der Gottesmutter, dargestellt als "sedes sapientiae" (Sitz der Weisheit) mit zwei anbetenden Engeln. Darüber erhebt sich der 25 Meter hohe Turm mit einem achteckigen Dachhelm, einer Turmkugel und einem drei Meter hohen, vergoldeten Kreuz. Die beiden Glocken haben zusammen ein Gewicht von 240Kilogramm.

Durch einen Windfang gelangt man in das helle, modern und harmonisch gestaltete Gotteshaus. In den beiden Bankreihen mit jeweils acht Bänken haben rund hundert Besucher Platz. Der Blick aber richtet sich sofort nach vorne zu dem einfachen Altar aus massivem Stein und auf das großflächige Wandgemälde dahinter, das den Gottessohn als "majestas domini", Christus in der Herrlichkeit, darstellt.

Der etwas entrückte Gesichtsausdruck zeigt einen gütigen Gott, dem aber nichts verborgen bleibt. Vier Erzengel flankieren die in dezenten Farben gemalte Hauptfigur. Die Gläubigen haben so das Gefühl, im "Audienzsaal Gottes" zu sein, so Pater Zoche. Ergänzt wird die Einrichtung durch zwei einfache, aber ausdrucksvolle Holzfiguren, die zu beiden Seiten des Chores angebracht sind, links die Schmerzhafte Mutter Gottes, rechts der heilige Josef, der Schutzpatron der Kapelle. Die aus länglichen Kassetten bestehende Holzdecke fällt durch ihre rötliche Tönung auf. Sie verleiht dem Innenraum einen angenehm warmen Ton. Die schlichten Glasfenster sind mit einfachen Ornamenten geschmückt. An den Wänden sind die Kreuzwegstationen durch vierzehn kleine Kreuze markiert. Als einzige der fünf Kapellen des Kirchspiels besitzt die Schmitzinger Kapelle eine kleine Empore und eine separate Sakristei.

Nachdem die Schmitzinger jahrzehntelang auf den Bau einer eigenen Kapelle hingearbeitet hatten, wurde 1951 der Grundstein gelegt. Nach den Plänen des Erzbischöflichen Bauamtes Freiburg sollte ein "klarer und eindeutiger Raum" geschaffen werden. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Gotteshaus, das als Musterbeispiel einer großartigen Gemeinschaftsleistung der Schmitzinger Bevölkerung gelten kann, feierlich eingeweiht. Umfangreiche Johanna Malzacher (links) und Johanna Ebner gehören zu dem Team, das für die Betreuung der Schmitzinger Kapelle zuständig ist.Renovierungsarbeiten wurden im Jahr 2000 durchgeführt. Um das Werk zu vollenden, waren viel Tatkraft und Idealismus sowie handwerkliches Können nötig. Daher war es wohl auch kein Zufall, dass die Kirche dem heiligen Josef, dem Schutzpatron der Handwerker, geweiht ist.

Schmitzingen

Mit 334 Einwohnern gehört Schmitzingen zu den größeren Ortsteilen der Pfarrei Waldkirch. Der Ort wurde erstmals 1266 urkundlich erwähnt. Die Besiedlung des Seltenbachtales dürfte aber schon einige Jahrhunderte früher erfolgt sein. Der Name, der seit 1593 in der heutigen Schreibweise auftritt, bedeutet "bei den Angehörigen des Smiczo". 1951 ging der Wunsch der Bürger nach einer Kapelle in Erfüllung. Das Patrozinium wird am 19.März gefeiert. Die Pflege der Kapelle liegt in den Händen von Johanna Malzacher und Johanna Ebner.

Manfred Dinort

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Schmitzingen: Die größte Kapelle, der höchste Turm und das jüngste Bauwerk. Mit diesen Kriterien unterscheidet sich die Schmitzinger Kapelle von den übrigen Kapellen der Pfarrgemeinde Waldkirch. Bilder: Dinort

Bildtext unten:

Johanna Malzacher (links) und Johanna Ebner gehören zu dem Team, das für die Betreuung der Schmitzinger Kapelle zuständig ist.