im Alb Bote vom 25.1.2008

"Kirche ist ein Global Player"

Waldkircher Pater Hermann-Josef Zoche schreibt Management-Bücher

Hermann-Josef ZocheIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, Besonderheiten und Personen vor. Wir sprachen mit Pater Hermann-Josef Zoche, der seit 1991 Seelsorger der Pfarrei Waldkirch ist. Er hat sich auch als Buchautor wirtschaftlicher Themen einen Namen gemacht hat

Wann haben Sie Ihr erstes Buch veröffentlicht?

Mein erstes Buch ist 1989 unter dem Titel "Konfliktsouveränität" erschienen. Es ist immer noch das einzige Fachbuch auf dem deutschen Markt, das den Umgang mit Konflikten in Betrieben behandelt. Das Buch war sehr erfolgreich, zurzeit ist die 5. Auflage in Vorbereitung.

Wie kamen Sie auf das Thema?

Neben der Theologie und der Philosophie habe ich im Nebenfach auch noch Betriebswirtschaft studiert. Zum anderen stecken pastorale Gründe dahinter. Auf diese Weise kann ich Menschen erreichen, die nicht in die Kirche kommen, die aber durch ihre Position als Multiplikatoren eine wichtige Rolle übernehmen können, auch für christliches Gedankengut.

Spielt für Sie dabei auch das Wohl der Betriebe eine Rolle?

Natürlich geht es mir dabei auch um das Wohl der Betriebe, um das Betriebsklima und die Betriebsethik. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Firmen erfolgreicher sind, wenn sie nach ethischen Grundsätzen handeln und diese auch in ihrer Firmenphilosophie festschreiben.

Eines Ihrer Bücher trägt den Titel "Macht Erfolg Sinn?" Welche Antwort haben Sie darauf?

Erfolg ist ein Nebenprodukt des Sinnstrebens. Ein dauerhafter Erfolg ist nur möglich, wenn die Voraussetzungen stimmen, wenn also Freude, Menschlichkeit, Zufriedenheit, Mitverantwortung und Mitbestimmung zu den Grundlagen eines Betriebes gehören.

Zeigen Sie dabei auch Flagge, das heißt, legen Sie dabei auch Ihre religiöse Einstellung offen?

Ja, ich nehme immer wieder Bezug auf die Bibel und auf die christliche Weltanschauung. Es ist kein Zufall, wenn ich Buchtitel wie "Die zehn Gebote für Manager", "Jesus und die Marktwirtschaft" oder auch" Die Jesus AG" auswähle.

Was hat Jesus mit Markwirtschaft und Betriebsführung zu tun?

In der "Jesus AG" wird aufgezeigt, dass auch die Kirche von den Betrieben lernen kann, etwa im Verwaltungsbereich oder im Umgang mit dem Geld. Umgekehrt hat die Kirche eine jahrhundertealte Erfahrung als "Global Player" und in Sachen "Corporate Identity" oder in der Strukturierung von großen Gebieten - um nur einige Beispiele zu nennen.

Haben Sie unter den Betrieben eine bestimmte Zielgruppe?

Ja, in erster Linie sind es die mittelständischen Betriebe. Inzwischen kommen aber immer mehr Anfragen von Konzernen.

Daneben weisen Ihre Publikationen aber noch andere Schwerpunkte auf.

Ja, das ist der pastorale Bereich im Alltagsleben. Dabei wende ich mich vor allem an Ratsuchende, etwamit den Titeln wie "Lassen wir unser Kind taufen?", "In guten und in schlechten Tagen", "Vorbilder prägen Weltbilder" und zuletzt "Sag ja - 60 kleine Schritte zum Glück".

Spielt diese Thematik in Ihren Sonntagspredigten eine Rolle?

Natürlich. Viele dieser Themen werden in meinen Predigten aufs Neue aktualisiert. Dabei ist mein Bestreben, nicht Glaubenssätze einzuhämmern, sondern den "Sitz im Leben", also die Alltagsrelevanz aufzuzeigen.

Fragen: Manfred Dinort

Buchautor Zoche

Das jüngste Werk des Waldkircher Pfarrers Hermann-Josef Zoche trägt den Titel "Die sakralen Schnitzwerke von Waldkirch". Damit leistete der Pater einen ganz persönlichen Beitrag zum 1150-jährigen Jubiläum des Pfarrdorfes. Das Buch ist in der Reihe "Forum Rhenanum" erschienen und wurde von Manfred Dietenberger und Horst Boxler herausgegeben. Der Erlös des geistlichen und kunstgeschichtlichen Führers ist für eine Auftragskomposition bestimmt, die an den international anerkannten Blasmusikkomponisten Jacob de Haan vergeben wurde und die beim Kirchenkonzert am 19. April zur Uraufführung gelangt.

VON MANFRED DINORT