im Alb Bote vom 10.4.2008

Komposition zum Jubiläum

Gespräch mit Dirigent Markus Birkenberger

 

Der Musikverein Gaiß-WaldkirchOrtschaft und Pfarrei Waldkirch feiern in diesem Jahr ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um das Kirchenkonzert am Samstag, 19. April (20 Uhr), und die Uraufführung einer Jubiläumskomposition, die bei einem Topmusiker der Blasmusik, dem Holländer Jacob de Haan, in Auftrag gegeben wurde. Ausgerichtet wird das Konzert vom Musikverein Gaiß-Waldkirch, der sich seit Monaten vorbereitet. Dazu führten wir ein Gespräch mit dem Dirigenten Markus Birkenberger (39).

Herr Birkenberger, wie kam es zu der Idee, eine eigene Komposition in Auftrag zu geben?

Der Gedanke, ein eigenes Werk komponieren zu lassen, war schon länger unser Wunsch. Das 1150-jährige Jubiläum gab dann den Anstoß dazu, den Wunsch auch in die Tat umzusetzen.

Warum musste es ausgerechnet der international gefragte und viel beschäftigte Jacob de Haan sein?

Seit Jahren pflege ich Kontakte mit verschiedenen Komponisten. Nach einigen Vorgesprächen fiel die Wahl auf Jacob de Haan, der weltweit einen hervorragenden Ruf genießt und als Dirigent und Komponist gefragt ist.

Die Komposition ist im Stil einer sinfonischen Dichtung konzipiert. Was heißt das?

Das bedeutet, dass konkrete Ereignisse musikalisch interpretiert werden, wobei auch der Phantasie viel Raum gelassen wird. Grundlage für unser Stück ist die Historie Waldkirchs. Der Titel "Jubilate Deo omnis terra" (Die ganze Erde lobpreist den Herrn) stammt aus dem Psalm 97. Dazu kam der Untertitel "Waldkircha". In dem Werk wird beschrieben, wie Mönche das Land besiedeln, eine Kirche bauen, wie Brand und Krieg das harte Landleben prägen und wie trotzdem immer wieder neue Hoffnung keimt und neues Leben blüht. Alles wird im Stil der sinfonischen Blasmusik dargestellt, wie Sie es von unseren bisherigen Konzerten kennen. Zusätzlich fließen Stilelemente der Kirchenmusik ein, die das Stück außerordentlich bereichern.

Wie lief die Zusammenarbeit mit dem Komponisten ab?

Die Vorgespräche mit dem Komponisten fanden auf der Frankfurter Musikmesse statt. Dabei wurde über Inhalte, Dauer und Schwierigkeitsgrad verhandelt. Zudem wurden vertragliche Angelegenheiten mit dem Notenverlag "de Haske" in Eschbach bei Freiburg abgeklärt. Alles andere lief per Mail und über Telefonkontakte, also grenzüberschreitend, aber problemlos.

Wer übernimmt die Kosten für die Komposition?

Leitung von Dirigent Markus BirkenbergerDie Pfarrgemeinde übernimmt 50 Prozent der Kosten, den Rest hoffen wir durch die Türkollekte nach dem Konzert abdecken zu können.

Wird der Komponist selber zur Uraufführung antreten?

Ja. Jacob de Haan wird am Konzert an- wesend sein und wenn es vom Ablauf her möglich ist, wird er das Stück auch selbst dirigieren. Das wäre für mich und das Orchester sicher eine interessante Erfahrung, die uns musikalisch weiterbringen wird.

Welche Stücke des übrigen Programms würden Sie außerdem hervorheben?

Das Konzert bietet eine ganze Reihe musikalischer Leckerbissen. Da das Programm aber auch die musikalische Entwicklung über die Jahrhunderte widerspiegeln soll und es in den Anfängen eher Musik für kleinere Besetzungen gab, sind sicher unsere drei Ensembles in ihren verschiedenen Besetzungen hervorzuheben.

Sicher hat ein Kirchenkonzert einen anderen Charakter als ein Konzert in der Halle.

Nicht nur der Charakter ist anders, sondern auch die Art zu musizieren ist in der Kirche anders als in der Stadthalle. Gleich nach unserem ersten Kirchenkonzert, das der Restaurierung der Orgel zugute kam, trafen wir die Entscheidung, alle zwei Jahre die tolle Akustik der Pfarrkirche zu nutzen und da regelmäßig Kirchenkonzerte zu veranstalten. Damit konnten wir in der Vergangenheit unser Repertoire erweitern. Wir mussten aber lernen, in der Kirche anders zu artikulieren, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Fragen: Manfred Dinort

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Manfred Dinort

Bildtext, Bild oben:
Der Musikverein Gaiß-Waldkirch konzertiert regelmäßig in der Kirche.

Bildtext, Bild unten:
Unter Leitung von Dirigent Markus Birkenberger wird er am 19. April eine Komposition von Jacob de Haan uraufführen.
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Blder:Dinort

Konkordia

Waldkirch WappenDer Musikverein "Konkordia", Gaiß- Waldkirch, wurde 1924 gegründet. Der Verein zählt 46 aktive Musiker, 25 Jungmusiker und 160 Passivmitglieder. 2002 wurde das neue Probelokal in Waldkirch eingeweiht und seitdem veranstaltet der Musikverein seine Jahreskonzerte in der Stadthalle Waldshut. Ursprünglich fanden die Jahreskonzerte im Gasthaus Storchen in Waldkirch, dann im Gemeinschaftshaus in Gaiß und schließlich im Gerätehaus Schmitzingen statt. Dirigent ist seit 1994 Markus Birkenberger, Vorsitzender ist Matthias Rüd, Telefon 016090513122.

Jacob de Haan, der heute in Rotterdam lebt, wurde 1959 in der niederländischen Provinz Friesland geboren. Er erhielt eine musikalische Ausbildung am Klavier, Kornett und Flügelhorn. Bereits mit 14 Jahren komponierte er drei Quartette für Blechbläser und ein Divertimento für Flöte und Klavier. Er absolvierte das Konservatorium in Leeuwarden und studierte als Hauptfach Orgel. Danach lehrte er an verschiedenen Musikschulen. Insgesamt schuf er über 60 Werke für Blasorchester. Erst im letzten Jahr gewann er mit seinen "Missa Katharina" einen internationalen Kompositionswettbewerb. Die Messe wurde 2007 in der Basilika Ottobeuren uraufgeführt.