im Alb Bote vom 27.5.2008

Kleinod aus der Barockzeit

Radwallfahrt zu fünf Kapellen von Waldkirch – Brunnadern mit vielen Besonderheiten

 

Kapelle in BrunnadernEine Radwallfahrt unter Leitung von Pater Hermann-Josef Zoche, die als "Tour de Waldchircha" im Rahmen der Jubiläumsfeier zum 1150-jährigen Bestehen von Ortschaft und Pfarrei Waldkirch, veranstaltet wurde, galt dem Besuch von fünf Filialkapellen des Kirchspiels. Dabei machte die Radwallfahrt auch Station bei der Kapelle in Brunnadern, die dem heiligen Martin geweiht ist und zentral in der Ortsmitte liegt.

Pater Hermann-Josef Zoche: "Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass es sich hier um eine barocke Allerweltskapelle handelt." Doch die Details und die Historie des kleinen Gotteshauses seien durchaus bemerkenswert. Schmuckstück der Kapelle, die einen harmonischen Gesamteindruck vermittelt, ist der prächtige Altar, der den Besucher sofort in seinen Bann zieht. Die reiche Ornamentik, die Farbenpracht und die kompakte Fülle sind beeindruckend. Das barocke Kunstwerk wird dem Waldshuter Kunstschreiner Christoph Feinlein zugeschrieben, denn zahlreiche Details tragen seine Handschrift. Die zentrale Figur stellt die Mutter Gottes dar, die sich vor allem durch ihren eigenartigen Gesichtsausdruck und der bäuerlichen Gestalt von den gewohnten Bildern unterscheidet. Darüber wacht das "Auge Gottes", ein Symbol, das aus der Freimaurerszene stammt. Gegenstück ist, auf der linken Wandseite, die Figur eines anderen Heiligen, die offensichtlich von dem gleichen Künstler stammt.

Eine Rarität ist auch das Bild des heiligen Antonius von Padua aus dem Jahre 1697. Das Bild stellt einen Mönch mit einer Lilie und einem Gebetbuch dar. Auf der linken unteren Seite, ebenfalls eine Seltenheit, ist die namentlich benannte Stifterfamilie mit ihren fünf Kindern dazugemalt. Dahinter kann man ein zweites Frauengesicht erkennen, möglicherweise die erste Gemahlin des Stifters. Auf der rechten Seite der Kapelle hängt ein modernes Gemälde des Kunstmalers Hans Breinlinger (1888-1963), das den heiligen Martin, den Schutzpatron der Kapelle, mit einem Bettler darstellt. Von dem gleichen Künstler stammen auch die Kreuzwegstationen in der Pfarrkirche in Waldkirch, die inzwischen jedoch wieder durch die ursprünglichen Barockbilder ersetzt wurden. Bei der letzten Renovierung der Kapelle, Ende der 90er Jahre, bekam der Dachreiter eine neue, sechseckige Zwiebelhaube, die auf einer viereckigen Laterne mit kleinen Fenstern aufgesetzt wurde. Bei den Renovierungsarbeiten wurde das Alter der Kapelle, ersichtlich aus den zahlreichen baulichen Details, ins 17. Jahrhundert zurückdatiert. Das Turmkreuz, das die Jahreszahl 1779 aufweist, wurde restauriert, vergoldet und wieder verwendet.

Manfred Dinort

Bildtext:
Eine Kostbarkeit der Martinskapelle ist der prächtige Barockaltar, der dem Waldhuter Kunstschreiner Christoph Feinlein zugeschrieben wird.
Bild: Dinort

Brunnadern

Brunnadern bildete früher zusammen mit Remetschwiel eine selbständige Gemeinde, bevor die beiden Ortsteile1975 in die Gemeinde Weilheim eingegliedert wurden.
Beide Orte wurden 1300 erstmals erwähnt, dürften aber wesentlich älter sein.
Die Kapelle ist dem heiligen Martin geweiht, das Patrozinium wird am 11. Novembergefeiert.