im Alb Bote vom 3.6.2008

Freiheitskämpfer oder Gesetzesbrecher

Heimat- und Geschichtsforscher Paul Eisenbeis referiert im Waldkircher Pfarrsaal über die Geschichte der Salpeterer

 

Heinrich Dold und Paul EisenbeisEinen starken Auftritt hatte der Heimat- und Geschichtsforscher Paul Eisenbeis aus Görwihl, der im Waldkircher Pfarrsaal über die Salpeterer referierte. Fast 100 Besucher erlebten einen spannenden Vortrag über "eine Epoche, die auch heute noch umstritten und nicht ganz einfach zu bewerten ist". Handelte es sich bei den Salpeterern um echte Freiheitskämpfer und Helden oder waren es doch eher Gesetzesbrecher und Banditen, die nichts als Unfrieden und Unheil stifteten? Das Fazit von Eisenbeis: "Ein abschließendes Urteil ist auch heute, nach 250 Jahren, noch nicht möglich."
Die Umstände, die zu diesen Ereignissen geführt hätten, seien so vielschichtig gewesen, dass es schwierig sei, eine definitive Antwort zu geben. Tatsache sei, dass die Vorgehensweise des Klosters St. Blasien, das ständig versuchte, seinen Einfluss zu auszuweiten und vor allem über einen Zuwachs der Leibeigenen seinen Machtbereich auszudehnen, entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen habe. Negativ ausgewirkt habe sich auch der Tod des "Salpetererhans" von Buch, denn "danach besaßen die Salpeterer keinen Führer von Format mehr". Stattdessen bildeten sich Gruppen und brutale Schlägertrupps, die ihre Gegner aus dem Lager der Ruhigen terrorisierten und damit die Bewegung ins Zwielicht rückten und die letzten Sympathien in Wien verscherzten. Immer häufiger sah sich die Regierung genötigt, Militär einzusetzen und mit drakonischen Maßnahmen gegen die Unruhestifter vorzugehen. Die Folge war, dass es zu Hinrichtungen wegen Landfriedensbruch, Freiheitsstrafen, Kerkerhaft, Zwangsarbeit und zur lebenslangen Verbannung von 112 Personen kam.
Zu den Rädelsführern dieser Zeit zählte auch Johann Georg Marder aus Waldkirch, der wegen seiner militärischen Ausbildung in Preußen auch "der Preuß" genannt wurde und der später zum Einungsmeister von Dogern gewählt wurde. Auch er zählte schließlich zu dem Personenkreis, der 1755 ins Banat deportiert wurde. Positiv bewertete Eisenbeis die Tatsache, dass das Hauensteiner Land die erste Region des Deutschen Reiches war, die frei von Leibeigenen war. "Ohne die Salpeterer-Unruhen wäre es nicht dazu gekommen." Allerdings war dafür ein hoher Preis zu entrichten: Allein der Loskauf der Leibeigenen aus dem Bereich des Klosters St. Blasien musste mit 58000 Gulden abgeglichen werden. Dazu kamen die Zahlungen an das Stift Säckingen und an die Herren von Unteralpfen. "Jetzt hätte eigentlich Ruhe einkehren müssen", so Eisenbeis. Doch eine kleine Gruppe Salpeterer war gegen den Handel, der als unrechtmäßig abgelehnt wurde. Es formierte sich erneuter Widerstand, und es wurden sogar bewaffnete Kommandos gebildet. In der Folge kam es zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen mit Verletzten und Toten. Trotzdem vermied es Eisenbeis, von "Salpetererkriegen" zu reden, zumal die Salpeterer gegen das Berufsmilitär chancenlos gewesen seien. Kürzlich habe er eine Anfrage erhalten, ob er für eine Schule den Namen "Salpetererschule" befürworten könne. Er habe davon abgeraten.

"Die Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Waldkirch" aus der Feder des Unteralpfener Heimatforschers Jakob Ebner kann über Heinrich Dold, Telefon 07751/2323 bezogen werden.

Manfred Dinort

Bildtext:
Heinrich Dold (links) und Paul Eisenbeis präsentieren eine Neuauflage des historischen Klassikers "Die Geschichte der Ortschaften der Pfarrei Waldkirch".
Bild: Dinort

Veranstaltungen

Ortschaft und der Pfarrei Waldkirch feiern in diesem Jahr ihr 1150-jähriges Bestehen. In diesem Rahmen finden auch historische Vorträge statt. Die nächsten Termine: Bigband-Open-Air-Konzert am 12. Juni, Großes Grillfest auf dem Gupfen am 22. Juni, Filmnacht am 18. Juli, Klassentreffen am 9. August, Dorffest am 23. und 24. August, Bauern-Kabarett am 13. September und ein weiterer historischer Vortrag über "Johann Michael Jehle und die Hauensteiner Einungen" am 6. Oktober.