im Alb Bote vom 11.1.2008

Ein schmuckes Wahrzeichen

Veränderungen in der Pfarrkirche St. Marien

 

Waldkirch bei WaldshutIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um die Pfarrkirche St. Marien und um bauliche Veränderungen.
Unter der Regie von Pater Hermann-Josef Zoche, der seit 1991 Pfarrer in Waldkirch ist, wurde Zug um Zug das Erscheinungsbild der Pfarrkirche verändert. Dabei wurde das besondere Augenmerk auf die kunsthistorische Ausstattung der Kirche gerichtet. Ein besonders markanter Akzent wurde mit der Verlegung des Taufbeckens gesetzt, das ursprünglich im Chorraum platziert war und nun einen neuen Standort im Eingangsbereich erhielt.
Im Beisein zahlreicher Gottesdienstbesucher wurde das restaurierte Becken im Januar 2007 eingeweiht. Gleichzeitig wurde Sarah Kaiser aus Schmitzingen, geboren am 28.November 2006, als erstes Kind der Pfarrgemeinde an dieser Stelle getauft. Um für das Taufbecken und die Taufzeremonie genügend Platz zu schaffen, wurden die Bänke so weit zurückgenommen, dass sich für den Besucher, der das Gotteshaus durch den Haupteingang betritt, eine neue Perspektive ergibt. Der Taufstein wurde von einem Freiburger Fachmann behutsam restauriert, wobei es galt, die ursprüngliche Substanz zu bewahren. Daher sind die alten Ornamente nur noch ansatzweise zu erkennen. Die besser erhaltene Seite ist dem Eingang zugewandt, die stärker abgetragene bekommt der Besucher beim Verlassen der Kirche zu Gesicht um ihn so, symbolisch gesehen, an die Vergänglichkeit des irdischen Seins zu erinnern.
Besondere Sorgfalt wurde auch auf die Gestaltung des Bodens und des Belages gelegt. Das Becken steht auf einem zentralen Achteck aus dunklen, polierten Steinplatten. In der umliegenden Fläche aus poliertem Beton sind fragmentarisch die vier Flüsse aus dem Buch des Propheten Ezechiel eingelassen, die das Symbol des Wassers aufgreifen. Auch die Gesamtanlage weist in sich wieder eine besondere Symbolik auf: "Dem Besucher soll das Gefühl vermittelt werden, er überschreite den Jordan, bevor er die Kirche betritt", so Pater Hermann-Josef Zoche. Der Plattenbelag wurde nach außen, bis unter das Vordach weitergeführt, so dass der Eindruck eines fließenden Überganges von außen nach innen vermittelt wird.
Waldkirch PfarrkircheDie Pfarrkirche beherbergt auch einige bemerkenswerte Kunstwerke, darunter ein Holzrelief, die "Darstellung Jesu im Tempel" aus der Zeit Albrecht Dürers, das einen neuen Platz im Sockel des Altares erhielt. Im Chorbogen wurde das restaurierte gotische Kreuz aufgehängt, das zuvor in der Waldkircher Kapelle seinen Platz hatte. Die übrigen Figuren wurden von den Wänden abgeräumt, so dass der Innenraum nun größer, klarer und offener wirkt. Die modernen Kreuzwegstationen wurden entfernt und durch die alten Bilder ersetzt, die besser in das barocke Erscheinungsbild des Gotteshauses passen. Die Marienstatue unter dem Chorbogen erhielt einen einfacheren Sockel aus marmoriertem Holz, das monströse schmiedeeiserne Beiwerk wurde entfernt.
In neuem Glanz erstrahlt auch der Prospekt der Orgel, die 2003 restauriert und als "Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung" eingestuft wurde.

Pfarrkirche

Der Grundstein für die heutige Kirche wurde am 20.Mai 1758 gelegt. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die Innenausstattung des Gotteshauses gelegt, an der namhafte Künstler aus der Region mitwirkten. Die hochwertige Ausstattung der Kirche gilt heute auch als Beleg dafür, dass die Kirche auf dem Wald über viele Jahrhunderte ein religiöser Mittelpunkt in der Region war. Die Freude an dem neuen Bauwerk währte jedoch nicht lange. Schon bald nach der Fertigstellung zeigten sich am Turm die ersten Risse. Am 10.März 1760 stürzte der Turm ein und verursachte dabei auch an der Kirche erhebliche Schäden. Die Ursache: Unsaubere Bauausführung und mangelnde Bauaufsicht. Der Turm musste neu aufgerichtet werden. In den letzten Jahren wurden, vor allem im Innenbereich, neue Akzente durch Pater Hermann-Josef Zoche gesetzt, der seit 1991 als Seelsorger die Pfarrgemeinde in Waldkirch betreut.

Manfred Dinort

Bildtext, oberes Bild:
Das Herz des Pfarrdorfes Waldkirch, das in diesem Jahr sein 1150-jähriges Bestehen feiert: die Pfarrkirche St. Marien und das Pfarrzentrum.

Bildtext, unteres Bild:
Zug um Zug wurde in den letzten Jahren das Erscheinungsbild der Waldkircher Pfarrkirche verändert.