im Alb Bote vom 5.1.2008

Idylle rund um den Zwiebelturm

Waldkirch feiert dieses Jahr sein 1150-jähriges Bestehen Pfarrkirche dominiert Dorf im Seltenbachtal

 

Waldkirch bei WaldshutIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um das Erscheinungsbild und die Geschichte des Pfarrdorfes.
Idyllisch am Westhang des oberen Seltenbachtals liegt an der alten Bundesstraße die kleine Waldshuter Ortschaft Waldkirch. Wie die Küken um die Glucke scharen sich die wenigen Häuser um die Pfarrkirche. Von der neuen Trasse der B500, die über die Höhe führt, ist höchstens noch die Kirchturmspitze auszumachen. Seit der Durchgangsverkehr nicht mehr durch die Ortschaft läuft, ist es auf den Straßen still geworden. Trotzdem meinen manche Anlieger, dass immer noch zu viel Verkehr durch den Ort fließt und dass zu schnell gefahren wird: "Warum bleiben die nicht auf der Bundesstraße?" Auch sonst geht es recht beschaulich in dem kleinen Ortsteil zu. Die Zahl der Einwohner ist rückläufig, schon längst gibt es keine Schule und keinen Kindergarten mehr. Die Schule wurde in den 1970er Jahren, im Rahmen der Schulreformen, aufgelöst. Seitdem fahren die Kinder jeden Morgen mit dem Bus nach Waldshut in die Schule, die kleineren besuchen den Kindergarten in Eschbach. Die Räume des ehemaligen Schul- und Rathauses stehen nun den Vereinen zur Verfügung - der katholischen Landjugend, der Feuerwehr und dem Musikverein Gaiß-Waldkirch. Doch die Ruhe täuscht: An Sonn- und Feiertagen ist Waldkirch Treffpunkt der ganzen Pfarrgemeinde mit seinen acht Ortsteilen. Dann sind die Straßen vollgeparkt und man hat Mühe, noch einen freien Stellplatz zu ergattern. Außerdem finden im Pfarrzentrum zahlreiche Veranstaltungen statt. Rege Betriebsamkeit herrscht auch im Probelokal des Musikvereins, das neben dem ehemaligen Schul- und Rathaus errichtet wurde. Seit 1995 gibt es, zusammen mit Gaiß, einen Ortschaftsrat, der die Entwicklung der beiden Ortsteile im Auge behält und die Interessen der Bürger gegenüber der Stadt vertritt. Regie führt Ortsvorsteher Hansjörg Birkenberger, der seit 1995 im Amt ist und seither viel persönliches Engagement eingebracht hat. Geprägt wird das Ortsbild auch heute noch von der Pfarrkirche St. Marien mit ihrem 36 Meter hohen, wuchtigen Zwiebelturm, einigen stattlichen, alten Bauernhäusern und dem traditionsreichen Gasthaus "Storchen" mit seiner schmucken Freiterrasse, die im Sommer 2007 neu angebaut wurde. Und daran hat sich seit Menschengedenken nicht viel geändert. In Waldkirch ein Neubaugebiet einzurichten, war nie ein Thema. Warum eigentlich an dieser Stelle, in steiler, schattiger Hanglage, eine Siedlung entstanden ist und eine Kirche gebaut wurde, die zum Mittelpunkt eines ausgedehnten Kirchspiels wurde, erscheint aus heutiger Sicht recht ungewöhnlich. Die Einwohnerzahlen sind immer im zweistelligen Bereich geblieben. Trotzdem gab es hier ein Schul- und Rathaus, das an jene Zeiten erinnert, in denen die beiden Ortsteile Waldkirch und Gaiß eine gemeinsame Schule unterhielten und Waldkirch, Gaiß und Schmitzingen zusammen eine Gemeinde bildeten. 1971 erfolgte, im Rahmen der Gemeindereform, der Anschluss an Waldshut. Heute hat Schmitzingen eine eigene Ortschaftsverwaltung, während die Ortsteile Waldkirch und Gaiß ihre Wege auch weiterhin gemeinsam gehen. In der Mitte, zwischen den beiden Ortsteilen, liegt der Aussiedlerhof von Ortsvorsteher Hansjörg Birkenberger, der für ein ausgewogenes Miteinander der beiden Ortsteile sorgt. (tao)

Waldkirch

An der Durchgangsstraße vom Hochrhein nach St. Blasien gelegen, wurde Waldkirch in Kriegszeiten oft schwer heimgesucht. Auch während der Belagerung der Stadt Waldshut im Jahre 1468 wurde das Kirchdorf von den eidgenössischen Nachbarn ausgeplündert und eingeäschert. Da alle Häuser mit Stroh gedeckt waren, hatte ein Brand oft verheerende Folgen für das ganze Dorf. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf gleich zweimal, 1633 und 1635, niedergebrannt. Während der Salpetererunruhen war Waldkirch immer wieder Schauplatz heftiger Zusammenstöße zwischen den „Ruhigen“ und den „Unruhigen“. 1796 zündeten die Franzosen den „Storchen“ mitsamt den Nebengebäuden an und auch das Haus des Redmanns Johann Michael Jehle, der „Redmannshof“, ging in Flammen auf. Urkundlich erwähnt wurde Waldkirch

Bildtext:
Das Herz des Pfarrdorfes Waldkirch, das in diesem Jahr sein 1150-jähriges Bestehen feiert: die Pfarrkirche St. Marien und das Pfarrzentrum.