im Alb Bote vom 21.2.2008

Bürger hüten Kleinod

Schmitzinger betreuen Waldkircher Kapelle

Die Waldkircher KapelleIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es in die Waldkircher Kapelle, die dem heiligen Gotthard geweiht ist.

Dort, wo sich die alten Ortsverbindungen zwischen Waldshut und Waldkirch, Gaiß und Schmitzingen kreuzen, liegt, an einem idyllischen Fleckchen, das zur Gemarkung Schmitzingen gehört, die Waldkircher Kapelle. Erbaut wurde sie 1736, während der Zeit der Salpetererunruhen. Seit Jahren kümmert sich Bernhard Huber aus Schmitzingen, der selbst auch viel zur Innenausstattung beigetragen hat, um die Anlage. "Ich gehe jeden Samstag hier hoch, meist in Begleitung meiner beiden Enkelkinder", so Bernhard Huber. "Wenn man einmal damit angefangen hat, fühlt man sich für immer verantwortlich." Ortsvorsteher Siegmar Mutter: "Eigentlich wäre es korrekter gewesen, wenn der Schwarzwaldverein den Namen Schmitzinger Kapelle beibehalten hätte, denn wir haben uns immer für die Kapelle verantwortlich gefühlt Die letzte Komplettrenovierung, die von Schmitzinger Handwerkern durchgeführt wurde, fand 1970 statt. Damals wurde das Mauerwerk grundlegend saniert und verputzt. Die Kapelle erhielt einen neuen Dachstuhl mit einem überdachten Vorplatz und eine neue Eindeckung aus Schieferplatten. Dazu kam eine kunstvolle schmiedeeiserne Pforte, die auch erforderlich war, um den Vandalismus einzudämmen. Erst vor wenigen Jahren wurden weitere Renovierungsarbeiten durchgeführt. Dabei wurden die Experten des Denkmalpflegeamtes auf das große Holzkreuz an der Rückwand der Kapelle aufmerksam, das dann, nach gründlichen Untersuchungen, als kunsthistorisch bedeutsam eingestuft wurde.
Waldkircher Kapelle

Das Kreuz wurde aufwendig restauriert und erhielt einen neuen Platz im Chorbogen der Pfarrkirche, dort, wo es vermutlich auch seinen ursprünglichen Platz hatte. Bei den Renovierungsarbeiten wurden auch die Spuren alter Fresken entdeckt. Doch den Restauratoren gelang es nicht, das Geheimnis dieser Bilder zu lüften, so dass auf eine Freilegung verzichtet wurde. Erst als die Restaurationspläne ad acta gelegt waren, konnte über ein neues Konzept zur Ausgestaltung der 272 Jahre alten Kapelle beraten werden. Zunächst wurde im Außenbereich eine Drainage verlegt, um die Wände und den Innenraum trocken zu halten. Zugleich wurden der Verputz und der Anstrich erneuert und ein neuer Plattenboden verlegt. Alle Arbeiten wurden von Schmitzinger Handwerkern ausgeführt.

Die Inneneinrichtung steuerte Bernhard Huber bei: Das Kreuz fertigte er aus einem 150 Jahre alten Holzbalken, einen passenden Corpus aus Zinn entdeckte er bei einer Alteisensammlung der Feuerwehr. Der abgebrochene Arm wurde fachgerecht angefügt und der Corpus erhielt einen passenden Anstrich. Bernhard Huber kümmerte sich auch um das schmiedeeiserne Portal: Es wurde entrostet und frisch lackiert. In der Mitte steht in goldenen Ziffern die Jahreszahl 1970, die an die letzte große Renovierung erinnert. Schließlich wurde auf Vorschlag von Pater Hermann-Josef vor der Kapelle eine Bank ohne Lehne aufgestellt, die die Wahl lässt, den Blick ins Innere der Kapelle zu richten oder in die Landschaft.

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Ein Schmuckstück der Pfarrei Waldkirch, die Waldkircher Kapelle auf der Gemarkung Schmitzingen.

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1970 wurden an der Waldkircher Kapelle umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt.

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Bernhard Huber aus Schmitzingen betreut die Anlage der Waldkircher Kapelle seit Jahren. Hier mit seinen beiden Enkeln Noah und Hanna, die ihn gerne zu der schön gelegenen Kapelle begleiten.
Bilder: Dinort

Die Kapelle

Die Waldkircher Kapelle aus dem Jahre 1736 liegt weitab an der Kreuzung der alten Ortsverbindungsstraßen Waldkirch/Waldshut und Schmitzingen/Gaiß. Weil sie auf Schmitzinger Gemarkung liegt und von den Schmitzingern betreut wird, ist sie auch unter dem Namen "Schmitzinger Kapelle" bekannt. Allerdings gehört das Grundstück der Pfarrei Waldkirch, die dafür auch Grundsteuern entrichtet. Die erforderlichen Renovierungs- und Pflegearbeiten wurden jedoch immer von Schmitzinger Bürgern ausgeführt. Seit Jahren übt Bernhard Huber die Patenschaft für die schmucke Anlage aus. Bei den letzten Restaurationsarbeiten wurden die Fachleute auf das spätgotische Kreuz aufmerksam, das, nach gründlichen Untersuchungen, als kunsthistorisch bedeutsam eingestuft wurde. Das Kreuz wurde sorgfältig restauriert und erhielt danach einen neuen Platz im Chorbogen der Pfarrkirche.

VON MANFRED DINORT