im Alb Bote vom 23.2.2008

30000 Namen in drei Bänden

Alfons Hilpert und Josef Flügel übertragen Kirchenbücher in digitales Format

Die Waldkircher KirchenbuecherIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Jubiläum. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um die Kirchenbücher der Pfarrei, die bis ins Jahr 1593 zurückreichen.

Wer jemals einen Blick in alte Kirchenbücher geworfen hat, weiß, wie mühsam und zeitaufwendig es ist, die handschriftlichen Einträge zu entziffern und die Informationen zusammenzusuchen, die in der Regel auf mehrere Bücher verteilt sind. Oft ist dabei ein Zeitaufwand nötig, der Tage oder Wochen in Anspruch nimmt. Dieses Problem wurde vor einigen Jahren in der Pfarrei Waldkirch erfolgreich gelöst: Nach jahrelanger Arbeit konnten die Daten, die bis zum Jahre 1593 zurückreichen, mit Hilfe moderner Computerprogramme transkribiert und neu aufgezeichnet werden. Was vorher auf zahlreiche, dickleibige Bücher verteilt war, ist nun in drei handlichen Bänden mit je 400 Seiten zusammengefasst. Außerdem wurde eine CD-Version erstellt, die einen schnellen Zugriff auf sämtliche Daten über den Computer ermöglicht.

"Dahinter steckt eine Leistung, die eigentlich unbezahlbar ist und viel Idealismus erfordert", so Pater Hermann-Josef Zoche. Die Autoren der neuen Familienbücher: Alfons Hilpert aus Schwerzen und der inzwischen verstorbene Josef Flügel aus Schmitzingen. Tatkräftige Unterstützung fanden sie beim Pater, der von der Idee begeistert war und bereitwillig die Archive der Pfarrei öffnete. Insgesamt war es erforderlich, 31543 Namenssätze mit den dazu gehörenden Daten neu zu erfassen und in den Computer einzutippen, wobei die Einträge in alphabetischer Reihenfolge geordnet wurden.

Bisher waren die Daten nach Ortsteilen angelegt und in Tauf-, Ehe- und Sterberegister gegliedert. Die Daten wurden jetzt so zusammengefasst, dass ein regelrechtes Nachschlagewerk entstand, das mit einem herkömmlichen Lexikon vergleichbar ist. Noch leichter ist das Nachschlagen im Computer, wo die Querverbindungen, etwa die verwandtschaftlichen Beziehungen, per Mausklick in Sekundenbruchteilen hergestellt werden können. Allerdings weist das Werk eine Lücke auf: in der Zeit von 1784 bis 1824 fehlen sämtliche Einträge in den einzelnen Registern.

Weitere Schwierigkeiten entstanden dadurch, dass die Schreibweise der Namen nicht immer einheitlich war, so dass nicht alle Verknüpfungen hergestellt werden konnten, weil eine Zuordnung nicht zweifelsfrei möglich war. Zum Teil gab es auch so unleserliche oder verblasste Abschnitte, dass sie nicht richtig auszuwerten waren.

Alfons Hilpert begann vier Jahre zuvor mit seinen Recherchen zur eigenen Familienchronik in den Weilheimer Kirchenregistern. Er folgte den Hinweisen, die ihn dann auch nach Waldkirch führten. Hier traf er Josef Flügel, der sich mit der gleichen Thematik befasste. Dabei wurde die Idee geboren, sich gemeinsam ans Werk zu machen und die Bücher neu zu schreiben. Diese Sisyphosarbeit, das war vosn vornherein klar, war nur mit dem Computer zu bewältigen. Während Alfons Hilpert bereits mit der Arbeit am Computer vertraut war, musste sich Josef Flügel, der damals 80 Jahre alt war, erst mit der neuen Technik vertraut machen. Dazu machte Alfons Hilpert noch einen Buchbindelehrgang, um das Werk auch in einer optisch ansprechenden Form präsentieren zu können. Für die Gestaltung des Einbandes wählte er Motive aus den Kalenderblättern des spanischen Malers Joan Miro.

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Von links: Pater Hermann-Josef Zoche mit Alfons Hilpert und dem inzwischen verstorbenen Josef Flügel, die die Kirchenbücher neu erfassten.

Kirchenregister

Die Kirchenregister der Pfarrei Waldkirch reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Sie überstanden auch den 30-jährigen Krieg, weil die Bücher rechtzeitig im Hagwald bei Remetschwiel, der seit alters her im Besitz der Kirchengemeinde ist, in Sicherheit gebracht wurden. Ursprünglich waren die Daten nach Ortsteilen angelegt und in Tauf-, Ehe- und Sterberegister gegliedert. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Begriffe "Familienbuch" und "Beerdigungsbuch" eingeführt. Mit Hilfe der Bücher ist es jedem Gemeindemitglied möglich, in Absprache mit dem Pfarrbüro, einen Stammbaum aufzustellen und Ahnenforschung zu betreiben.

VON MANFRED DINORT