im Alb Bote vom 28.2.2008

Salpeterer sorgen für Unruhe

Aufstände gegen das Militär auch im Bereich Waldkirch

Die Waldkircher KirchenbuecherIIn diesem Jahr feiern Ortschaft und Pfarrei Waldkirch ihr 1150-jähriges Bestehen. In einer Artikelreihe stellen wir die Historie der Ortschaft und der Pfarrei, lokale Besonderheiten und Persönlichkeiten vor. Heute geht es um die Salpetererunruhen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, eine Zeit, in der Waldkirch des Öfteren im Brennpunkt des Geschehens stand und auch Waldkircher Bürger ihre Hand im Spiel hatten. Die Chronik der wichtigsten Ereignisse:

1704 reiste Adam Schmiedle, Vogt in Waldkirch, in Begleitung zweier Einungsmeister nach Wien, um die Meinungsverschiedenheiten mit dem Kloster St. Blasien klären zu lassen.

1726 reiste auch der "Salpetererhans" aus Buch nach Wien. Zuvor traf er sich mit seinen engsten Anhängern, darunter Konrad Tröndle aus Waldkirch, um sich mit ihnen über seine Mission abzustimmen.

Im November des gleichen Jahres fand in Waldkirch eine Versammlung statt, um die alten Rechte zu verlesen. Es kamen 400 Männer, die beschlossen, die in Waldshut inhaftierten Anhänger gewaltsam zu befreien. Dem Waldkircher Vogt, Adam Schmiedle, gelang es jedoch, sie von ihren Plänen abzubringen, indem er versprach, mit dem Waldvogt über die Freilassung zu verhandeln.

1739 wurde erneut verhandelt. Nach Beschimpfungen durch die Salpeterer griff die kaiserliche Kommission durch und ließ die Anführer verhaften, darunter Johann Georg Marder aus Waldkirch. Nach weiteren Unruhen und dem Einsatz von Militär wurde den Haupträdelsführern der Prozess gemacht, wobei fünf Todesurteile vollstreckt wurden. Aus dem Bereich der Pfarrei traf es Jakob Leber aus Brunnadern, der oberhalb seines Heimatortes öffentlich enthauptet wurde. Daneben wurden teils lebenslange Zwangsarbeits- und Freiheitsstrafen verhängt.

1743 folgte ein Aufruf der Salpeterer, alle Lieferungen an das Militär zu verweigern. Da Johann Georg Marder aus Waldkirch als Urheber des Lieferungsstreiks galt, ließ ihn Prinz Karl von Lothringen verhaften und in Freiburg einsperren. Er kam jedoch bald wieder frei und wurde 1744 zum Einungsmeister der Einung Dogern gewählt.

1745 zogen über 1000 Salpeterer gegen Waldshut, um die Übergabe der "Ruhigen", die von den Salpeterern als "Halunken" beschimpft wurden, zu erzwingen. Dabei drohten sie, die Stadt in Schutt und Asche zu legen. Bei einem Schusswechsel wurden zwei Salpeterer getötet, drei weitere verwundet. Danach flohen die Aufständischen und sammelten sich in den Wäldern bei Waldkirch. 1745 setzte die Regierung 400 Mann Militär ein und unterwarf die Hochburgen der Salpeterer. Am 23. November wurden Regierungstruppen bei Waldkirch von den Salpeterern angegriffen. Dabei wurden 30 Salpeterer gefangen genommen, unter ihnen Konrad Tröndle aus Waldkirch. Gegen die Rädelsführer, die zum Teil ins Ausland geflüchtet waren, wurden Haftbefehle erlassen, so auch gegen Johann Georg Marder, Alteinungsmeister aus Waldkirch, der zu den Hauptschuldigen gezählt wurde. Einige wurden deportiert, andere starben in der Kerkerhaft. Trotzdem lebte der Salpeterergeist weiter.

1751 wurden 19 der Unruhigen in Waldshut verhört, unter ihnen auch Johann Georg Marder aus Waldkirch. Schließlich entschloss sich die Regierung, die Rädelsführer und ihre Familien, insgesamt 112 Personen, zwangsweise aus dem Land zu schaffen.

Bildtext:
Eine Renaissance erlebte die Zeit der Salpeterer auf der Theaterebene. Im Bild eine Szene aus einer Aufführung 2006 in Buch: Die Vertreter des Klosters St. Blasien bringen durch ihr unerbittliches Auftreten beim Remetschwieler Dinggericht den Stein ins Rollen.

Die Aufstände

Ausgelöst wurden die Salpetererauf-stände durch die Politik des Klosters St. Blasien, das versuchte, seinen Einfluss auszudehnen und die Privilegien der freien Bauern im Bereich der Grafschaft Hauenstein zu beschneiden. Die heiße Phase der Auseinandersetzung begann 1719 mit dem Dinggericht in Remetschwiel. Sie fand 1755 ein tragi-sches Ende mit der Verbannung der Rädelsführer und ihrer Familien nach Ungarn und Rumänien. Insgesamt wurden 112 Personen deportiert, darunter auch Johann Georg Marder aus Waldkirch sowie drei Oberalpfener mit ihren Familienangehörigen. Letzter Redmann der Hauensteiner Einungen war Johann Michael Jehle aus Waldkirch.

VON MANFRED DINORT